Community zur Selbsthilfe und Diskussionsforum für alle weiteren Fragen des Lebens. Fettnapffreie Zone mit demokratisch legitimierten Moderationsregeln.
Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
- Für neue Besucher und Forennutzer gibt es [hier] eine Anleitung inkl. Forenregeln. -

Tipp: Wenn https bei der Forennutzung Probleme macht: autismus-ra.unen.de; wenn https gewünscht wird: autismus.ra.unen.de
 

Fühlen sich NA von anderen Menschen grundsätzlich getrennt?

original Thema anzeigen

03.03.10, 12:08:09

55555

Und ist ihr "Sozialverhalten" mit der Komponente der bekannten scheinbar mächtigen und allgegenwärtigen Furcht vor Ablehnung eine Folge dessen? Fühlen die meisten NA sich vielleicht grundsätzlich ziemlich einsam und können sich nicht vorstellen, daß das bei Autisten ganz anders geartet ist? Nicht, daß sich Autisten nicht einsam fühlen könnten, das ist wohl oft so unter den heutigen Umständen. Aber ich habe den Verdacht, daß es da große Unterschiede im "Wie" geben könnte, daß Autisten sich generell anderen Menschen emotional näher fühlen als NA und daher auch mit oberflächlichen Beziehungen wenig anfangen können, da diese hinter ihr Grundgefühl zurückfallen würden.
03.03.10, 19:58:32

Cathryn

Zu dem Thema habe ich vor einigen Wochen einen interessanten Gedanken gelesen. Der vielleicht dazu passt.

Für Menschen ist es sehr wichtig zu ein Gruppe zu gehören. Das hatte früher eine wichtige Funktion. Ein einzelner Mensch konnte nur schlecht überleben, zum Beispiel sich vor wilden Tieren schützen oder Nahrung finden, wenn er krank war. Also war ein Ausschluss aus der Gemeinschaft fast ein Todesurteil.

Da diese Zeit zwar lang her ist, aber dennoch nicht ausreichte das Denken und fühlen des Menschen anzupassen, löst "allein" sein vermutlich Überlebensängste aus - Unterbewusst. Alleinsein im Sinne von "Nicht-Dazu-gehören" ist für NAs also ein sehr unerfreulicher Zustand. Sie wollen es unter allen Umständen vermeiden und tun eine Menge dafür.

Ein weitere Gedanken kam mir gerade: Was wäre, wenn Autismus in diesem Zusammenhang eine neue Stufe der Entwicklung ist oder zumindest ein weiteres Experiment der Evolution. Sicherlich eine gewagte These und ich bitte um Nachsicht - Nicht in der virtuellen Luft zerfetzen, bitte.
03.03.10, 20:18:40

haggard

(*nichtzerfetz* jedoch betrachte ich autismus nicht als neue stufe, sondern eher vielleicht noch als genetisches überbleibsel vielleicht einer menschenform, die an sich durch "unsere" heutige erscheinung bereits ausgerottet wurde.)
03.03.10, 21:08:45

starke Dame

na, dann scheine ich die Ausnahme zu sein, ich bin als NA grundsätzlich Individualist und passe mich sehr ungern an. Gehöre eher zu der Sorte, die ihren Dickkopf durchsetzen möchte (meistens aber muss).

Ich habe noch nie das gemacht was andere machen, schon als kleines Mädchen, spielten die anderen Prinzessin und ich lieber mit den Jungs Captain Future. Schwelg, lang ist´s her...
03.03.10, 22:02:18

55555

Den Gedanken einer solchen Entwicklungsstufe hatten schon Viele. Aber Autismus ist offenbar ziemlich alt und weltweit recht gleichmäßig verbreitet.

Glaube die wenigsten NA würden sich nicht als Individualisten bezeichnen.
04.03.10, 02:22:10

Fundevogel

Die meisten NA suchen regelmäßig Geselligkeit. In Gruppen Gleichgesinnter fühlen sie sich verstanden. Wenn sie mit Menschen eine Leidenschaft oder ein Hobby gemeinsam haben, sind sie sich vielfach sehr nah.
Die Gemeinschaft ist aber auch eine Möglichkeit herauszufinden, wo sie mit ihren Ansichten stehen oder zu kontrollieren, ob sie korrigiert werden sollten.

Eine tiefe Verbindung haben NA meist nur zu wenigen Freunden oder dem Beziehungspartner, also Einzelpersonen. Ein Gruppenzugehörigkeitsgefühl als NA, wie es Minderheiten empfinden, haben sie nicht.

In der menschlichen Gesellschaft gibt es A wahrscheinlich genau so lange wie NA. Sie nehmen in der sozialen Gemeinschaft unterschiedliche Aufgaben wahr. Grob gesagt:

Gesellige organisieren in körperlicher Nähe die Feste und führen die Kriege, Individualisten setzen besondere Akzente und achten auf die Wahrung der Einzelinteressen, Spirituelle stellen Medizinmänner, Pädagogen, Priester. Ernährer bestellen die Felder, mahlen Mehl, backen Brot, Logistiker organisieren die Verkehrs- und Fluchtwege. Unter all denen sind NA und A (ich kenne auch gesellige A;).

Gemeinschaft benötigen meiner Meinung nach alle zumindest zeitweise, der eine mehr, der andere weniger.
Die Forderung der A nach Enthinderung richtet sich an die Gemeinschaft und formuliert einen Anspruch auf ein barrierefreies Miteinander.

Gleichgültig ob Nähe oder Distanz von der Gemeinschaft gewünscht werden, letztlich können wir nicht ohne die anderen bestehen, und das geht über den Gedanken der urzeitlichen Notgemeinschaft weit hinaus.

Forthebeautyoftheearth
04.03.10, 06:25:36

drvaust

Zitat von 55555:
... daß Autisten sich generell anderen Menschen emotional näher fühlen als NA ...
Das trifft auf mich nicht zu.
Vielleicht habe ich zu Menschen, zu denen ich eine emotionale Beziehung habe, eine intensivere Beziehung.
Aber, so wie ich das empfinde, fühle ich mich den Menschen an sich nicht besonders nahe. Für mich ist zwischen Menschen und Tieren nur ein qualitativer Unterschied, Menschen fühle ich mich emotional nicht viel näher als z.B. Hunden. Meistens sind mir die Menschen um mich herum nur lästig, stören, evtl. auch interessant komisch. Ich beobachte Menschen wie Tiere, mit denen ich leben muß.
Mit oberflächlichen Beziehungen kann ich nicht viel anfangen, weil das für mich nichts Richtiges ist. Entweder eine richtige Beziehung mit allen Konsequenzen, oder es ist nur sinnloses Getue. Diese gestern Freunde, heute nicht leiden können, morgen wieder Freunde usw., verstehe ich nicht.
Ich muß in der Gesellschaft der Menschen leben, anders kann ich nicht leben, aber emotional fühle ich mich nicht dazugehörig.
04.03.10, 07:44:01

an3010

geändert von: an3010 - 04.03.10, 07:44:31



Geht mir auch so. ich war schon immer lieber alleine , habe viele Bekannte durch die Arbeit und dem Sport.Bei 2 Kuren habe ich 2 Frauen getroffen,mit denen wäre ich gerne befreundet gewesen, da hatte alles gestimmt , leider waren die großen örtlichen Unterschiede da.
Aber ansonsten mag ich diese oft oberflächlichen Beziehungen nicht. Das Treffen zum Frühstück ist eine Qual für mich.In einem Raum sitzen ca 16 Personen. Jeder unterhält sich,das Stimmengewirr erzeugt in mir Unwohlsein,manchmal überlagern sich die Wellen so sehr,dass ich richtige Angst spüre. Geht mir oft so,wenn mehrere Menschen zusammen sind und alle miteinander reden. Deshalb gehe ich auch nicht gerne zu Partys,Familienfeiern und ähnlichen veranstaltungen. Lieber mal mit einem Bekannten so alleine reden.
 
Powered by: phpMyForum 4.1.55 © Christoph Roeder