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Barrierefreie Bordelle

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29.01.12, 14:36:49

55555

Interessiert hier irgendjemanden dieses Thema oder spielt es in Bezug auf Autisten keine Rolle?
Zitat:
Dass die Gäste manchmal sabbern, sich über ein Rutschbrett ins Bett ziehen oder Körper haben, die durch Muskel- oder Knochenschäden deformiert sind, ist ihr egal. "Bei den Behinderten, da hab' ich das Gefühl, ich hab' was Gutes getan, jemanden glücklich gemacht, da bin ich mit mir im Reinen." Da ginge es zwar auch um Sex, meist müssten die Frauen aktiver sein, weil die Männer bewegungseingeschränkt seien, aber die Ebene der Begegnung sei eine andere: "Freier mit Behinderung sind oft Stammgäste, wie Familie. Die nehmen uns ernst, sind interessiert betrachten auch uns als Menschen", sagt Marlene. Und irgendwie, sagt Kerstin Berghäuser, sind wir doch beides Randgruppen, die Prostituierten und die Menschen mit Behinderung [Laut Forenregeln diskriminierender Begriff]. Das verbindet.

Wer zu Marlene, Sofia oder Celine ins Liberty kommen kann, der ist entweder selbst noch einigermaßen mobil, oder hat unterstützende Betreuer, die dann in einem kleinen Räumchen bei Cola und Zeitschriften warten. Doch die Realität vieler Menschen mit Behinderung [Laut Forenregeln diskriminierender Begriff] ist auch heute noch fast immer ein zäher Kampf um winzige Schritte zu Selbstständigkeit und Akzeptanz. Noch heute wagt es die Gesellschaft nicht wirklich, über die sexuellen Bedürfnisse der "Perfekt Imperfekten", wie Rasso Bruckert sie in seinem Fotobildband genannt hat, ernsthaft nachzudenken. Zwar hat sich Deutschland mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 verpflichtet, die geforderte Inklusion umzusetzen, also ein Zusammenleben aller, in dem jeder die gleichen Rechte hat - ein Recht auf Sexualität ist darin zwar nicht verankert, kann aber indirekt aus dem Recht auf Reproduktion abgeleitet werden. Das Tabu aber ist dadurch nicht verschwunden.

Quelle
29.01.12, 16:45:47

PvdL

Sexualität kann schon ein Problem sein, weil mit Körperkontakt verbunden. Die Lust ist vorhanden, aber der Körper ist empfindlich. Wenn hier jemand einen Rat hätte, wie mit dieser Barriere geschickt umzugehen sei, dem wäre ich ein dankbarer Empfänger.
29.01.12, 16:56:17

Fundevogel

Öhmm, Recht auf Sexualität? So argumentieren auch Triebtäter???

Viele Nichtbehinderte leben auch oft ohne Sexualität, weil sie keinen Partner haben und/oder sich wegen der Ansteckungsgefahr lieber zurück halten.
Erwächst daraus ein Recht, ins Bordell gehen zu können? Eher wohl ein Bedürfnis...aber immer bleibt es, ob behindert oder nicht, der Kauf einer Dienstleistung. Welche Motivation der Dienstleister hat, ist den Kunden meist egal. Es geht doch vornehmlich um eigennützige Bedürfnisbefriedigung mit Hilfe einer großen Portion Schauspielerei. Vom Tabu lebt die ganze Sparte gut;).

Mich interessiert, ob behinderte Menschen mehr bezahlen müssen als nicht behinderte.
29.01.12, 17:05:55

Fundevogel

PvdL: Wenn andere Materialien am Körper gut vertragen werden, kann auch über der Kleidung Zärtlichkeit möglich sein (Latex, Seide, Baumwolle)? Versuchen, ob es im Wasser besser geht als an der Luft? In kühlen Räumen besser als in warmen Räumen? Vorherige Absprache, was berührt werden wird? Anfassen mit Gegenständen, wenn sie besser ertragen werden (weiche, harte)? Berührung durch vorsichtiges gezieltes Pusten von Atemluft an besonders empfindsamen Stellen? Versuchen heraus zu bekommen, ob die Haut z.B. morgens weniger empfindsam ist als abends?
29.01.12, 17:24:46

55555

@PvdL: Einige hatten hier schon angegeben, daß dieses Problem sich lösen ließe, wenn man sich ganz fest anpacken würde, weil leichte Berührungen als am problematischsten empfunden würden.

@Fundevogel: Vielleicht solltest du den Artikel lesen, darin steht auch was zu der Preispolitik.
30.01.12, 03:17:58

Fundevogel

Aha, das ist ja richtig anständig in diesem unanständigen Metier;););). Barrierefreiheit wäre aber doch eigentlich, Sex mit anderen Menschen zu haben, ohne dafür zu bezahlen einfach aus Lust und Freude am anderen? Die Frau des Sängers Thomas Quasthoff sagte, dass sie ihn nicht als behindert wahrgenommen hätte, weil sie augenblicklich fasziniert war von seiner stürmisch frechen Art. Da wollen wir doch hin???
30.01.12, 12:21:01

drvaust

Zitat von Fundevogel:
... das ist ja richtig anständig in diesem unanständigen Metier ...
Was ist daran unanständig?
Ich sehe das wie Massage (wobei mir das noch weniger als Massage gefällt). Aber ich kenne mich da nicht so richtig aus, habe es noch nicht probiert.

Zitat von Fundevogel:
Barrierefreiheit wäre aber doch eigentlich, Sex mit anderen Menschen zu haben, ohne dafür zu bezahlen einfach aus Lust und Freude am anderen?
Das Problem dabei ist, einen anderen Menschen zu finden, der Lust und Freude hat, mit einem Sex zu haben. Sonst ist das viel einfacher.

Aber für (vor allem geistig) Behinderte ist es manchmal auch dann problematisch, wenn sich Zwei finden, die beide Lust und Freude hätten. In vielen Einrichtungen ist das nicht vorgesehen, unerwünscht und wird sogar verhindert. Da kommen Argumente wie 'Wir haben die Verantwortung.', 'Wenn da etwas passiert.' usw.. Das ist vereinzelt tatsächlich ein Problem, aber nur selten. Freiwilliger Sex ist als Menschenrecht deklariert, ausdrücklich auch für Behinderte.
Ich hatte mal gelesen, daß in einem Heim für (körperlich) Behinderte sogar Masturbation verboten und verhindert wurde.

Zitat von Fundevogel:
Da wollen wir doch hin???
Ja, das wäre gut. Manchmal ist es so, wie Du schriebst.
31.01.12, 02:37:13

Fundevogel

Als unanständig ist es über die Jahrhunderte bezeichnet worden, weil es gegen religiöse und moralische Regeln verstieß.

Einen Menschen zu kaufen, um sich zu befriedigen, gilt auch heute vielfach als herabwürdigend und verachtend, was zur Folge hatte und hat, dass Prostitution in bestimmte Bezirke oder Regionen "verbannt" wird. Für religiöse Menschen verstößt sie gegen die Empfehlung, den Körper als einen von Gott gegebenen Tempel zu betrachten.

Ich habe es in meinem Umfeld mehrfach erlebt, dass geistig behinderten Frauen von "normalen" Männern regelrecht aufgelauert wurde, um mit ihnen Sex zu haben. Da ging es wohl eher um Macht.
31.01.12, 06:57:38

Vendela

geändert von: Vendela - 31.01.12, 06:58:43

Zitat von Fundevogel:
Einen Menschen zu kaufen, um sich zu befriedigen, gilt auch heute vielfach als herabwürdigend und verachtend


Gilt das Kaufen oder das Sich-verkaufen als verachtend?
01.02.12, 01:40:23

Fundevogel

Beides (wobei mir bewusst ist, dass An- und Verkauf in vielen Bereichen des täglichen Lebens übergriffig geschieht).

Eine althergebrachte Praxis macht ethische Fragen nicht überflüssig.

Ähnliche Beispiele zur Diskussion:

Wie würde es beurteilt werden, wenn eine Firma die Hautfläche eines Menschen für eine Tätowierung anmieten würde?

Wie würde es bewertet werden, wenn eine Firma, welche Haut für Operationen züchtet, ihr Firmenlogo wie ein Wasserzeichen einarbeiten würde?

Leihmutterschaft ist in unserer Gesellschaft aus ethischen Gründen untersagt, obwohl die Beteiligten sich völlig einig sind.

"Zwergenwerfen" wurde untersagt, obwohl es allen Spaß bereitet.
01.02.12, 19:20:25

Vendela

Meinem Eindruck nach wird das Sich-Verkaufen deutlich negativer gesehen als das Kaufen. Als ich noch in der Schule war, hat einer meiner ehemaligen Mitschüler damit geprahlt, an Weihnachten abends im Bordell gewesen zu sein. Das hätte er sicher nicht gemacht, wenn er oder andere das verwerflich gefunden hätten.
01.02.12, 22:54:01

Fundevogel

Das entstammt wohl traditionellen gesellschaftlichen Mustern, dass Männer mit ihrer Potenz prahlen können, während Frauen aufpassen "müssen", ihren guten Ruf nicht zu verlieren.
Man sollte aber bei der statistischen Stille um weibliche Sexualität nicht übersehen, dass die meisten Männer Sex mit Frauen hatten;)!
Da wo Frauen ihre Anonymität wahren können, sind sie in ähnlicher Anzahl als Sexsuchende unterwegs: http://www.singleboersen-vergleich.de/sexkontakt-sexkontakte.htm
 
 
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