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Was kann als autistenfeindlich bezeichnet werden?

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10.01.13, 20:09:02

schuschu

na dann orka, wenn du es genau wissen willst:

ich stehe voll und ganz hinter der ESH, hinter dem Auswilderungsprojekt, hinter der Autistenkommune und hinter dieser REGIE auch wenn es nicht um DIE regie geht.

es ist natürlich einfacher, den weg der schlafenden weiterzugehen und nicht hinzusehen , sonst müsste man die lebenslügen erkennen und könnte seinen bequemen weg nicht mehr gehen.

ich bin fundevogels meinung...ich höre die sirenen auch lieber deutlicher und bin dankbar für mein aufwachhen durch genau diese impulse.

der" regie "war wohl klar,dass sie polarisieren würde aber es geht nicht darum.
findest du nicht, dass du mit deinem beitrag eher destruktiv wirkst?
was bietest du denn an, wenn du all diese projekte scheinbar nicht gut findest? ...und warum schreibst du denn dann hier, wenn du es nicht toll findest und in frage stellst, hier überhaupt sich noch zu beteiligen?
was ist denn deine motivation?

ich glaube du hast ein vorurteil...und lässt dich nicht davon abbringen. was stört dich denn so ?
10.01.13, 20:35:34

55555

geändert von: 55555 - 10.01.13, 20:37:11

Zitat von Mama:
Ich habe den Enthinderungs-Blog gelesen und war entsetzt über diese Schwarzmalerei.

Was denn für "Schwarzmalerei"? Falls es andere Themen betrifft kannst du das ja in anderen Threads aufzeigen. Wer weiß vielleicht hast du ja Recht. Du willst mich sicher nicht dumm bleiben lassen.
Zitat:
Ich stehe sicherlich auf Deiner Seite

Offensichtlich tust du das ja gerade nicht, was soll diese Anbiederung?
Zitat:
Deine Art Alarm zu schlagen ist zu laut, sie verängstigt einen Menschen eher

Wenn die Voraussetzung stimmt ist das wohl nötig? Eher noch mehr nötig, wenn man deine Kommentare anschaut, die mir vor einer Verweigerung selbst einer ernsthaften Auseinandersetzung mit diesen unangenehmen Themen zu triefen scheinen.
Zitat:
anstatt in den Kampf um Anerkennung oder zumindest Akzeptanz mit zuziehen.

Wie stellst du dir den denn vor? "Habt mich lieb"?
Zitat:
Bei dem von Dir genannten bevorstehenden Völkermord handelt es sich um Abtreibungen.

Ja, selektive Abtreibungen, die Teil der Völkermorddefinition auch im deutschen Recht sind.
Zitat:
Ich habe noch nicht mitbekommen das es eine sichere Methode gibt um Autismus im Mutterleib zu erkennen. Ich bin mir auch ziemlich sicher das es so schnell oder überhaupt passieren wird.

Das kann schnell gehen. Fakt ist, daß die Grundlagen bereits geschaffen sind und es nur so einen "Fortschritt" braucht als Startschuß. Bereits diese Grundlagen sind aus meiner Sicht in keiner Weise hinnehmbar für jeden, der ernsthaft die Interessen von Autisten als Bevölkerungsgruppe vertreten will. Wie stellst du dir so eine Interessenvertretung vor? Erst Bedenken äußern (aber nicht zu deutlich, sonst erschreckt sich noch jemand!), wenn der Völkermord an den deutschen Autisten konkret beginnt? Wie wäre das übertragen auf Juden? "Ach sie bauen Lager, aber wer weiß, ob die auch für uns gedacht sind"?
Zitat:
Deine Aussage bezüglich der Blindheit der Menschen zur Zeit des Naziregimes kannst Du mit der heutigen Zeit nicht vergleichen.

Ich kann, das Prinzip ist gleich.
Zitat:
Damals wurde den Menschen Mist erzählt und die Schuld an der schlechten Zeit den Juden zu geschrieben.

Und heute geht es (wie damals gegenüber Autisten schon) um vermeintlich hohe Kosten (die tatsächlich Folgekosten der gesellschaftlichen Diskriminierung sind). Teils auch (wie damals und auch heute in Euthanasiediskussionen) verbrämt zur Frage ob es nicht besser ist das vermeintlich unausweichliche Leiden zu vermeiden.
Zitat:
Du fragtest zu Beginn dieses Threads welches Wort autistenfeindlich ist. Das Wort ist meiner Meinung nach das Wort "autistisch". Es wird angewandt ohne überhaupt zu wissen was es bedeutet.

Dann erklär mal ...

@orka: Sollte das ein Beispiel darstellen für brutal antiautistische Hetze? Stell dir mal vor man würde alle gesetzlichen Grundlagen zu einem Völkermord an Homosexuellen geschaffen haben und mit Millionen an staatlichen Forschungsgeldern daran arbeiten Homosexualität vorgeburtlich feststellen zu können. Und jetzt frag dich mal, ob du dich trauen würdest in einem Homosexuellenforum eine ähnliche Einstellung zur Schau zu stellen, wenn jemand auf diese faktisch vorhandene massive Bedrohung hinweist.

Hat vielleicht auch mit der bekannten Schwierigkeit von Nichtautisten zu tun die Dinge zu sehen wie sie sind?
11.01.13, 07:03:11

Mama

Ich für meinen Teil bin hinsichtlich der Entwicklung dieser Diskussion zu aufgebracht um Dir momentan differenziert zu antworten.
Deine Reaktion zeigt mir, das Dir dieses Thema sehr wichtig ist. Vielleicht sollten wir aus diesem Grund diese "Unterhaltung" vorerst ruhen lassen. Ich zumindest wünsche mir das.
Ehe Du diesen Vorschlag nun eventuell negativ kommentierst, denke bitte daran, das Du eine Welt anstrebst (ich sicherlich auch) die auf die Bedürfnisse von Autisten eingeht und ihre Entscheidungen respektiert.
12.01.13, 01:06:14

Fundevogel

Ich freue mich in Foren über Vordenker, Denker und Nachdenker (ob laut oder leise), besonders aber wenn sie vorausschauende Analysen abgeben.

Es wäre für die weitere Diskussion von Wert, wenn "die Gegenrede" ein paar Fakten einbringt, die "der Schwarzmalerei" etwas entgegen setzen könnten (z.B. wo Forschung aus Rücksichtnahme auf Autisten eingefroren wurde, wo humanistisches GedankenGut zu einer Änderung der Sichtweisen auf Autisten führte, wo ihnen in der medizin-ethischen Diskussion auf Augenhöhe begegnet wird etc.)?

Können die TeilNehmer sich bemühen, die Diskussion auf die Sachebene zu verlagern?
12.01.13, 17:05:17

PvdL

Das grundlegende Problem ist, daß Andersartigkeit als krank und bedrohlich empfunden wird. Gegenmaßnahmen sind dem entsprechend nicht auf die Wahrung der Würde und Integrität des Einzelnen, sondern auf Wahrung der Homogenität der Gesellschaft gerichtet. Dies betrifft sogar solche Abweichungen, die relativ häufig auftreten, wie etwa Homosexualität. Autisten haben es deshalb besonders schwer, weil ihre Andersartigkeit je nach Kontext als Krankheit oder aber als exzentrische Marotte eingestuft wird: Wenn es ums Ausgrenzen geht, wird sie als Krankheit angesehen; wenn es um Ansprüche auf Unterstützung oder Ausgleich geht, als exzentrische Marotte.
21.01.13, 20:37:11

55555

Diese Entwicklungen hin zum eugenischen Serienvölkermord halte ich für so offensichtlich und naheliegend, daß ich es eigentlich verwerflicher finde diese Tatsache abstreiten zu wollen als vergangene Völkermorde. Wer glaubt die Geschichte wiederholt sich 1:1, der hat nichts aus ihr gelernt.

Jeder wird sich auch dafür verantworten müssen, was er unterlassen hat.
02.02.13, 19:58:25

55555

Um diese Diskussion etwas weiter zu speisen, verweise ich hier mal auf die Methoden der Diffamierung im Film "Der ewige Jude". Teilweise ähnelt die Darstellung in ganz erstaunlicher Weise dem Stil der heutigen Pathologisierung von Autisten, gerade auch auf Weiterbildungsverantstaltungen für Ärzte, etc. Insofern und auch als Stück historischer Allgemeinbildung finde ich den Film durchaus sehenswert.

Einige Stichworte von mir: Unterstellung von veranlagter Verwahrlosung trotz Reichtum; arbeitsscheu und keinesfalls dazu gezwungen, wie man mancherorts annimmt; Statistiken wie diese: überdurchschnittlicher Anteil an Kriminalität (1% der Weltbevölkerung aber für 37% des Drogenhandels, 47% von Veruntreuung, 47% von illegalem Glücksspiel, 82% der internationalen Kriminalität, 98% des Menschenhandels), auffällige Neigung zu degenerativen Beschäftigungen wie perversen Darstellungen in Kunst und Kultur oder auch in absurden Theorien wie der Relativitätstheorie und als besondere Zugabe immer mal Bilder von Juden, die mit dem Oberkörper wippen.

Verschieden ist sicherlich, daß Autisten nicht unterstellt wird die Mehrheitsbevölkerung aktiv auszubeuten.
03.02.13, 14:37:00

Waldstein

Zitat von 55555:
Als Vergleichsmaßstab nenne ich hier einmal den Ansatz zur Unterscheidung zwischen bloßer Kritik und Antisemitismus nach Nathan Sharansky (israelische Einwanderungskommission):

Doppelmoral, Dämonisierung, Delegitimierung



Doppelmoral trifft auch zu, etwa in dieser ganzen "Wir meinen es doch nur gut"-Attitüde, mit denen Autisten in schädliche Therapien gesteckt werden, um die zu Normalo-Darstellern zu machen. Diese gönnerhafte Attitüde: vordergründig "Wir haben nichts gegen Behinderte und Autisten sind ja auch Menschen". Gleichzeitig aber Umerziehung und auch Intrigen, etwa in dem man für unfähig erklärt wird oder auch aus bestimmten Zusammenhängen gezielt rausgedrängt wird, einem wichtige Informationen vorenthalten werden oder aber auch jede Regung immer durch die Autistenbrille gesehen wird. Z. B. wenn man wütend wird nicht die Ursachen gesehen wird, sondern es dann gleich heißt "Ach das muss man nicht ernst nehmen, das ist halt typisch für Autisten".

03.02.13, 15:04:37

55555

Doppelmoral existiert sehr umfassend, ja. Alleine auch schon bei doppelten Begrifflichkeiten nach der Art "Der Mensch isst, das Tier frisst".
 
 
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