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Was bin ich ?

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11.06.13, 12:38:48

emanuel

geändert von: emanuel - 11.06.13, 12:49:07

Ob dies das richtige Forum ist weiß ich nicht, aber ich versuche es einfach mal hier.

Ich wende mich an dieses Forum, in der Hoffnung, Hilfe oder zumindest vielleicht den ein oder anderen Tip zu bekommen. Mein bisheriges Leben ist eine Aneinanderreihung von Fehlschlägen und dem oft Zwanghaften Versuch so zu sein wie alle anderen. Etwas das mir nie gelang. Eigentlich weiß ich nicht, wer ich bin, oder besser, ob ich überhaupt ein Mensch im normalen Sinne bin. Seit ich denken kann, versuche ich die Menschen zu verstehen, zu begreifen warum sie dieses und jenes tun. Kommunikation, war für mich immer ein gewaltiger Kraftakt (vor allem, wenn es um die emotionalen oder nicht logisch herleitbaren Aspekte ging, Witze, Ironie oder Sarkasmus z.B. Meine Mutter sagte mal, dass letzte mal als du wirklich gelacht hast, warst du glaube ich noch ein Baby). Kompliziert, was bedeuten all die Gesten und Regungen in Gesichtern und der Körpersprache. Das habe ich nie wirklich verstanden. Oft macht es mir Angst und ich schaue weg, starre auf den Boden, selbst in Anwesenheit meiner Familie. Allein zuhause zu sein, spendet mir ein wenig Frieden, doch auch dort, gibt es noch einen Menschen den ich nicht verstehe, mich selbst. Oft habe ich das Gefühl in meinen Gedanken zu ertrinken, keine Kontrolle zu haben und selbst in einem Raum, in dem nur ich bin, werde ich von den Eindrücken meiner Sinne überwältigt. Sinnlose Details, dringen ins Bewusstsein, und gesellen sich zu dem Sturm der Gedanken der meine Gedankenwelt so unerträglich macht. Als befinde man sich auf einem winzigen Segelboot, inmitten eines Sturms, mit aller Kraft versucht man einen Kurs zu halten, doch Wellen und wind treiben einen hin und her... Das allein macht das Leben schon schwer, doch sobald Menschen in meiner Nähe sind, bin ich hoffnungslos überfordert, will weg, nach hause. Eine meiner ersten Errinerungen ist mein erster Tag im Kindergarten, die Kinder spielen und laufen durch die Gegend und ich stehe auf dem Hof, allein und werde von Angst überwältigt. Mit der Zeit lernte ich die Menschen zu deuten und ein vermeintlich normales Verhalten zu imitieren, es gleicht einer Datenbank, nur so kann ich mit Menschen interagieren, wie deutet man Gesichter, was bedeuten die Gesten, was muss ich wann sagen, oder tun... All das ist dort festgelegt, muss bewusst in jeder Sekunde eines Gesprächs oder der Anwesenheit des Anderen abgewägt und entschieden werden. Es gibt nur wenig das mir Frieden bringt, Mathematik und Physik, beruhigen mich, denn sie sind logisch und rational, klar determiniert und die Beschäftigung damit hilft mir ein wenig ruhe in der Sturm zu bringen. Mein Wissen in diesen Bereichen ist glaube ich mittlerweile auf Universtätsniveau. Bis vor einem Jahr, half mir meine "Sozialdatenbank" eine Fassade der Normalität aufrechtzuerhalten. Es gab Menschen die mich als Freund ansahen und es gab auch Partnerinnen, doch niemand, wusste wie ich wirklich bin, oder wer ich bin. Was in mir vorgeht, ich wollte einfach normal sein, auch wenn das bedeutete, Tag für Tag Angst und Unbehagen in Kauf zu nehmen. Seit einem Jahr, ist dies nun vorbei, ich hatte keine Kraft mehr so weiterzumachen und unter den Menschen zu wandeln. Ohne selbst einer zu sein. Menschen fühlen, fühlen was der andere grad fühlt, kommunizieren, unternehmen Dinge und erfreuen sich am Leben und der Gesellschaft. All das kann ich nicht. Physik, Mathematik, Biologie, Philosophie, das kann ich, inzwischen horte ich Wissen regelrecht und verbringe manchmal den ganzen Tag damit. Doch das ist alles was mir geblieben ist. Bis auf meine Eltern, habe ich ich zu niemandem soziale Kontakte. Es ist mehr ein vor sich hin leben, zumindest vom Standpunkt der normalen Menschen betrachtet. Ob ich Autistisch bin, weiß ich nicht, aber ich hoffe hier vielleicht die ein oder andere nützliche Lebenstrategie zu finden. Ich hatte solang die Fassade der sozialen Kompetenz, dass ich mir nun nicht mehr sicher bin, ob die völlige Isolation wirklich richtig ist. Aber was soll ich tun, wie soll ich arbeiten oder "leben", wenn ich nichtmal einem anderen Menschen problemlos ins Gesicht schauen kann ? Auf eine gewisse Art bin ich total verzweifelt, und hoffe nun das mich die Menschen in diesem Forum nicht als verrückten abtun... Auch wenn ich mich oft wie ein Ausserirdischer fühle...

Es ist schwer in Worte zu fassen, schon seltsam, dass der Mensch Sprache besitzt und dennoch oft unter einer großen Diskrepanz zwischen der inneren Welt der Gedanken und dem was er auszudrücken im Stande ist, leidet.
11.06.13, 14:03:23

55555

Was du schilderst wird auch so ähnlich von vielen Autisten geäußert, das kannst du in diesem Forum auch nachlesen. Daher wird dich hier wegen sowas kaum jemand als verrückt betrachten.
Zitat von emanuel:
Sinnlose Details, dringen ins Bewusstsein, und gesellen sich zu dem Sturm der Gedanken der meine Gedankenwelt so unerträglich macht.

Wenn es Gedanken sind, werden sie einen Sinn haben, auch wenn du ihn nicht siehst?

Was passiert mit dir, wenn du mal ein paar Tage Ruhe hast?
11.06.13, 14:17:27

emanuel

geändert von: [55555] - 11.06.13, 14:22:03

[Komplettzitat des Vorbeitrags durch Ansprache ersetzt, bitte die Formvorgaben beachten, mfg [55555]]

@55555:

Es ändert auf jeden Fall nichts. Wenn ich weiß, das ich einen oder mehrere Tage das Haus nicht verlassen muss, ändert das nur insofern etwas, als das ich nicht die Sorge habe auf andere Menschen zu treffen. Selbst banale Dinge wie einkaufen zu müssen, sind oft ein großes Problem. Wenn ich drin bleiben kann, beschäftige ich mich meistens ausschließlich mit den Dingen die mich interessieren, bzw. mir ein wenig Ruhe schenken.
11.06.13, 14:30:48

55555

Der Kontakt zu Menschen vor über einem Jahr hat dich irgendwie zufrieden gemacht?
11.06.13, 15:07:10

emanuel

Zufrieden nicht, er war eben notwendig um meinem Wunsch normal zu sein und zu wirken gerecht zu werden. Eigentlich wusste ich ja genau, dass bei mir etwas nicht stimmt, das soziale konnte ich immer nur durch Beobachtung und Analyse erfassen, aber verstehen oder nachempfinden konnte ich es nicht. Wer an der Gesellschaft teilnehmen will, kommt um soziale Kontakte nicht herum. Entweder man nimmt Angst und Unbehagen in Kauf, oder man lässt es ganz bleiben, so wie es jetzt mache...
11.06.13, 15:45:40

55555

Und wie willst du jetzt sein? Wenn du siehst, daß bei dir etwas nicht stimmt wirst du dich vielleicht wieder entsprechend deiner eigentlichen Natur stimmen?

Dir ist klar, daß auch diese Forenaktivität soziale Betätigung ist? Spürst du dabei Angst oder Unbehagen?
11.06.13, 16:08:46

emanuel

Hier ist es leichter, natürlich findet auch hier Kommunikation statt, aber ich brauche nur zu schreiben was ich denke, ohne auf Gesichter zu achten oder jemanden in meiner unmittelbaren Nähe zu haben. Warum ich so ein Problem gerade mit Gesichtern habe, habe ich noch nicht ganz verstanden. Das ich sie nicht verstehe ist das eine, aber dieser Zwang wegzuschauen ist etwas, dass sich meinem Verständnis entzieht.

Verstellen will ich mich nichtmehr, auch wenn das heisst, isoliert leben zu müssen. Ich bleibe lieber allein, als erneut diesen Kampf aufzunehmen, immerhin ging das fast 20 Jahre so... Und ich habe nie mit jemandem groß darüber gesprochen.
11.06.13, 22:56:36

55555

Ja.
18.06.13, 12:04:48

Bauklotzkönig

Zitat von emanuel:
Kommunikation, war für mich immer ein gewaltiger Kraftakt (vor allem, wenn es um die emotionalen oder nicht logisch herleitbaren Aspekte ging, Witze, Ironie oder Sarkasmus z.B. Meine Mutter sagte mal, dass letzte mal als du wirklich gelacht hast, warst du glaube ich noch ein Baby).

Humor ist auch oftmals für mich nur schwer verständlich. Aber manche Dinge bringen mich dennoch zum schmunzeln oder grinsen. Gibt es sowas für dich?

Zitat von emanuel:
Ich hatte solang die Fassade der sozialen Kompetenz, dass ich mir nun nicht mehr sicher bin, ob die völlige Isolation wirklich richtig ist.

Bei mir ist es so, dass ich Personen mit denen ich viel übers Internet kommuniziere, auch gern mal persönlich kennenlernen möchte, wenn es sich von der räumlichen Distanz realisieren lässt. Hin und wieder tut mir das auch mal ganz gut. Vermisst du persönlichen Kontakt zu anderen Menschen?
18.06.13, 13:38:53

emanuel

Manchmal gibt es Dinge die ich Amüsant finde, aber so richtig lachen, kann ich eigentlich nie. Ich habe manchmal so getan, aber das eher um in der Menge unterzugehen. Damit sich niemand fragt, "Was ist denn mit dem los". Viele schauen fern und lachen über alles mögliche, ich sitze eigentlich emotionslos da und frage mich, warum.

Ich vermisse sie nicht. Im Internet ist das kommunizieren leichter für mich. Ich kann sachlich meine Gedanken äussern. Normale Menschen, färben ihre Kommunikation regelrecht emotional ein. Meine Gedankenwelt ist meistens sachlich, rational und sehr analytisch. Das Netz hat erstmal keine Gesichter und schon allein das erleichtert es. Sehe ich das Gesicht desjenigen mit dem ich kommuniziere, gehe ich unter. Nein ich vermisse den persönlichen Kontakt nicht. Es gibt nur einen Menschen aus meinem früheren Leben, den ich (glaube ich) vermisse, aber das ist schon lange her.
18.06.13, 22:13:21

Bauklotzkönig

Zitat von emanuel:
Viele schauen fern und lachen über alles mögliche, ich sitze eigentlich emotionslos da und frage mich, warum.

Kenn ich nur zu gut. Ich muss höchstens mal kurz kichern/schmunzeln, meistens aber nichtmal das. Ausgiebig lachen tu ich ziemlich selten.

Zitat von emanuel:
Ich vermisse sie nicht. Im Internet ist das kommunizieren leichter für mich.

Leichter ist es sicherlich. Aber irgendwie fehlt mir auf Dauer dann etwas. Aber gut, du machst das ja erst seit einem Jahr. Ich hab schon länger meine Ruhe. Anfangs fand ich das auch sehr erholsam.

Zitat von emanuel:
Es gibt nur einen Menschen aus meinem früheren Leben, den ich (glaube ich) vermisse, aber das ist schon lange her.

Was war bei diesem Menschen so anders?
19.06.13, 08:16:46

emanuel

Manchmal fühlt man sich dann selbst einfach irgendwie merkwürdig. Schon allein, weil man schlicht anders als die anderen ist.

Das ist eben einer der Gründe für meinen Forumsbeitrag. Ich lebe noch nicht lang so isoliert und war eben auch neugierig darauf zu erfahren, ob es tatsächlich eine Dauerlösung sein kann. Oder ob eben Menschen die so ähnlich sind wie ich, früher oder später den Drang verspüren andere Menschen zu treffen.

Sie war einfach anders. Ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber in Gegenwart meiner Eltern, fühle ich mich nicht unwohl. Und die Frau um die es ging, war da ähnlich. Die einzigen 3 Menschen, deren Gesellschaft, für mich nicht so kompliziert war. Und die einzigen 3 Gesichter, die leichter zu ertragen waren. Von einem gewissen Standpunkt ist es interessant. Ich habe kein Problem, komplexe Sachverhalte zu durchdenken und viele Parameter im analytisch zu betrachten, aber ein Gesicht, bedeutet für mich die völlige Überforderung.
 
 
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