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Autor Nachricht
Mama
(stillgelegt)

Hallo!
ich fange einfach mal an: Mein Sohn ist 10 jahre alt und seit Juni diesen Jahres haben wir die Diagnose "frühkindlicher Autismus im Sinne eines High-functioning-Autismus". Nun sollte man doch meinen, daß diese Behinderung (ich weiß nicht, wie ich es sonst sagen soll)schon viel früher hätte auffallen müssen. Es ist auch etwas aufgefallen und so wurde mein Sohn mit der Diagnose "ADHS" mit Medikamenten behandelt. Diese Medikamente haben Mike aber nicht geholfen, sondern ihm geschadet.....
Ich und sein Umfeld haben ihn so behandelt wie ein Kind mit ADHS; und das seit er 4 war. Ich werde sehr traurig darüber, wenn ich mir vorstelle, was ich alles meinem Kind angetan habe; ich habe ihm immer wieder Grenzen gesetzt, dieses "verdammte" Medikament gegeben und was das schlimmste ist, ich habe Ihn festgehalten.....ich war einfach nicht für ihn da.
ich weiß, das ich das nie mehr gutmachen kann und verstehe auch nun warum Mike manchmal Angst vor mir hat. Und nichts kann mich darüber hinweg trösten......gar nichts.
Nun also haben wir diese Diagnose bekommen, mit der Entschuldigung "tut uns leid, wir hätten eigentlich schon viel eher darauf kommen müssen".
Meine Frage nun an Euch: was muß ich nun tun?
Ich frage dies nicht im Bezug auf mein Verhalten; da bin ich nun viel gelassener und versuche mich jeden Tag ein bisschen in Mike´s Welt reinzufinden. Manchmal sehr schwer!!
Zumal ich noch eine Tochter habe (5 Jahre) die keine Autistin ist.
Habe einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Stadt für die Therapiekosten gestellt, aber das dauert...
Inwieweit ist Therapie noch sinnvoll?
Welche Schule kann mein Sohn besuchen?
Eine Regelschule fällt raus, da ist eine Reizüberflutung und in solchen Situationen "explodiert" Mike verbal.
Wie kann ich ihm helfen glücklich zu werden und vor allen Dingen "stark".
Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Liebe Grüße

[Wegen diversen Regelverstößen und Vandalismus einschließlich Mißbrauch des Gastzugangs bei bereits früher vorgekommener Sperrung bis auf Weiteres gesperrt, mfg [55555]]
26.11.09, 09:54:56
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Therapiekosten für die Tochter? Was für eine Schule besucht er bisher?

Hierzulande müssen manche Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Andererswo werden indigene Stämme mittels Strafen vor Kontakt mit anderen Kulturen geschützt.
26.11.09, 11:13:24
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Mama
(stillgelegt)

Hallo!
Im Moment besucht er die Städt. Förderschule der Primarstufe
Förderschwerpunkt: Emotionale und soziale Entwicklung.
Diese Schule ist ein Fehlgriff, er wurde aber an diese Schule von der Stadt verwiesen. Wir alle wissen (alle= Lehrer, Therapeuten), daß er auf gar keinen Fall zu der weiterführenden Schule der Föderschule gehen darf; dort würde er untergehen.
Mike war 2 Jahre auf einer Regelschule, dort war er aber überfordert. Nicht intellektuel sondern die vielen Leute. Eine Privatschule können wir uns nicht leisten. Die Stadt kann mir nur ein Internat für Autisten anbieten. Aber das werde ich niemals tun; und Mike möchte das auch nicht.
Die Therapiekosten für für Mike, meinen Sohn, habe ich beantragt.

[Wegen diversen Regelverstößen und Vandalismus einschließlich Mißbrauch des Gastzugangs bei bereits früher vorgekommener Sperrung bis auf Weiteres gesperrt, mfg [55555]]
26.11.09, 12:01:01
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Was für eine Therapie? Therapien sind für Autisten meist nicht sinnvoll, können eher schaden.

Bei der Beschulung ist die ESH recht aktiv und hatte vor etwas über einem halben Jahr versucht ein Projekt "Online-Schule" anzugehen versucht. Leider kam da nicht das erwartete Feedback von Eltern, weswegen dieses Projekt nun nicht mehr vorangetrieben wird.

Wir könnten versuchen eine barrierefreie Beschulung an einer Regelschule zu erreichen, also eine Teilnahme via Internet am regulären Unterricht. Das wird aber vermutlich einige Nerven kosten hinsichtlich Dauer und Reaktionen der Behörden. Es sollte vorher klar sein, daß ihr das auch bis zum Ende durchstehen würdet, eventuell auch vor Gericht klagen würdet, sonst ist das für die ESH auch sinnloser Aufwand.

Ansonsten wirst du zum Leben mit Autismus schon einiges erfahren, wenn du dich durch bestehende Themen liest. Auch das Autismus-Lexikon dürfte vielleicht interessant sein.

Hierzulande müssen manche Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Andererswo werden indigene Stämme mittels Strafen vor Kontakt mit anderen Kulturen geschützt.
26.11.09, 12:19:54
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Mama
(stillgelegt)

Hallo 55555!
ich weiß nicht was genau für eine Therapie. In dem Attest steht "autismusspezifische Therapie". Eigentlich weiß ich gar nichts mehr. Mir wurde die Diagnose nur so "hingeschmissen" und ich wurde nicht weiter aufgeklärt. Ich muß und werde mir alles aneignen, bitte, helft mir dabei.
Zu dem Thema Schule; Mike wird im Sommer nächsten Jahres in die 5. Klasse versetzt (muß dann also auf eine weiterführende Schule).
Damit möchte ich Dir sagen, wir haben Zeitdruck. Ein Integrationshelfer wird in unserer Stadt nur für die Pausen gestellt.
Schule via Internet, klingt gut, aber er braucht auch kontakt zu anderen.
LG Mama

[Wegen diversen Regelverstößen und Vandalismus einschließlich Mißbrauch des Gastzugangs bei bereits früher vorgekommener Sperrung bis auf Weiteres gesperrt, mfg [55555]]
26.11.09, 12:39:57
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Laß keine Therapie zu, von der du nicht die Zielsetzung und die genaueren Ansätze kennst. Therapien können nicht nur nutzen und bei Autismustherapien wird viel Zweifelhaftes angeboten.

Wie definierst du "Kontakt zu anderen" und wer stellt fest inwiefern er den braucht? Er selbst?

Hierzulande müssen manche Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Andererswo werden indigene Stämme mittels Strafen vor Kontakt mit anderen Kulturen geschützt.
26.11.09, 12:53:59
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Mama
(stillgelegt)

Ja, mein Sohn leidet darunter "anders" zu sein. Und ich leide mit Ihm.
Wir leben in einer so kalten Gesellschaft: bist Du nicht so wie Sie, wirst Du verprügelt oder verachtet. Wie kann ich wissen, was richtig und falsch ist,55555?

[Wegen diversen Regelverstößen und Vandalismus einschließlich Mißbrauch des Gastzugangs bei bereits früher vorgekommener Sperrung bis auf Weiteres gesperrt, mfg [55555]]
26.11.09, 13:02:19
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Dein Sohn leidet unter der "kalten Gesellschaft", nicht unter seiner Minderheitenposition. Das wollen Mobber oft gerne vermitteln, daß ihre Opfer selbst schuld sind. Fallt da nicht drauf rein. Sie handeln verwerflich und es gibt dafür keine Rechtfertigung.

Wo kann ich denn helfen? Andere melden sich hier dann vielleicht auch noch.

Hierzulande müssen manche Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Andererswo werden indigene Stämme mittels Strafen vor Kontakt mit anderen Kulturen geschützt.
26.11.09, 13:09:14
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Mama
(stillgelegt)

Ich weiß nicht, was ich alles tun kann, damit er in unserer Gesellschaft einigermaßen glücklich wird. Ich kann doch nicht nur seine Welt sein. Ich liebe ihn über alles und habe auch keine Probleme mit seiner "Art". Ich weiß ihn jetzt einzuschätzen und hier zu Hause fühlt er sich wohl(auch wenn er mir dies nicht sagt, so merke ich es an senem Verhalten)......aber das reicht doch nicht. Vielleicht habe ich auch einfach nur Angst vor der Zukunft...

[Wegen diversen Regelverstößen und Vandalismus einschließlich Mißbrauch des Gastzugangs bei bereits früher vorgekommener Sperrung bis auf Weiteres gesperrt, mfg [55555]]
26.11.09, 13:16:57
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Ohne angemessene Bildung wird er es schwerer haben und die kann ihn nur in dieser Weise erreichen, wenn er einen barrierefreien Zugang dazu hat. Du selbst schilderst er wäre auch auf der "Förder"schule überfordert von den Rahmenbedingungen, nicht aber vom Lehrinhalt. Das ist das Problem vieler autistischer Kinder. Vermutest du zu wissen, warum er dort mit den Rahmenbedingungen nicht klarkommt? Wie sehen solche Vermutungen bei dir ggf. aus?

Hierzulande müssen manche Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Andererswo werden indigene Stämme mittels Strafen vor Kontakt mit anderen Kulturen geschützt.
26.11.09, 13:20:43
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Löwenmama
(Autistenbereich)

geändert von: Löwenmama - 26.11.09, 13:33:32

Hallo Mama!
Fehler sind menschlich,vor allem wenn man es nicht anders weiss (bzgl. deines Verhaltens während der Zeit der "ADHS-Diagnose")!!
Weil du nach Therapien fragst:mein Sohn ist noch recht jung ( 3,5J) und ausser Logopädie(wg.motorischer Probleme und Muskelhypotonie) lehnen wir derzeit andere "autismus-spezifische" Therapien ab,da diese nur Stress bedeuten und sicher nicht zur Weiterentwicklung beitragen würden.Ich würde mich also nicht darauf verlassen,dass Therapien dem Kind gut tun und dass Therapeuten auch tatsächlich wissen,was für das Kind richtig ist und was nicht...wir hatten einen Besuch bei der Ergotherapie,die dann von "Festhalten des Kindes,wenn es sich nicht an die Regeln hält" gesprochen hat,woraufhin wir sofort die Praxis verlassen haben...ein Mittag auf dem Spielplatz oder im Wald ist besser,als jede Ergotherapie...
Auch bei Verhaltenstherapien bin ich kritisch...dem Kind wird suggeriert,dass es und sein Verhalten bzw.seine Art zu Sein "nicht richtig" ist,was meines Erachtens deprimierend ist.
Also schau dir erst ganz genau an,was die Therapie mit deinem Kind "anstellen" soll.Oder auch die Frage:was erwartest du davon??
Schule ist schwierig,kann ich auch nicht viel zu raten,da mein Sohn noch klein ist und das wohl auch von Bundesland zu Bundesland verschieden ist.Hast du dich schon über Teilbeschulung informiert??Also teils zu Hause und teils vor Ort??

Die Hoffnung ist der Regenbogen
über den herabstürzenden Bach
des Lebens.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
26.11.09, 13:28:32
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haggard
(Autistenbereich)

manche schulen verfügen über integrationsklassen, die theoretisch eine geringere schüleranzahl haben sollten. wie das auf weiterführenden schulen ist, weiß ich nicht. allerdings habe ich persönlich festgestellt, dass die klasse, in dem die schüler hinsichtlich außergewöhnlichkeiten und "normalitäten" gemischt war, wesentlich ruhiger und georneter, freundlicher etc. war als "normale" schulklassen.

auch habe ich es im beruflichen alltag nicht erlebt - anders als zu frühen schulzeiten - verprügelt zu werden, nur weil andere irgendein problem haben.

allgemein hatte ich nie großen anschluss an andere mitschüler. wünschte mir diesen allerdings auch nicht. manche nahmen zu mir kontakt auf - dann war das halt so. mit gleichaltrigen konnte ich nichts anfangen. zuerst sie sehr wahrscheinlich nicht mit mir, weil sie einfach weiter waren als ich - und später ich nicht mit ihnen, weil sie aus meiner sicht geistig nicht das boten, was ich brauchte. soziale kontakte - sehr wenige - besaß ich außerhalb der schule in form meiner familie oder fremder personen - die weswegen auch immer - sich mit einem kind beschäftigten (geistig). sie behandelten mich nicht wie eine "beschränkte" person, nur weil ich irgendwie anders wirke als sie. und ich hatte kontakt außerhalb der schule zu anderen autisten. zufällig.

wenn fernschule auch eine möglichkeit wäre, wäre es hinsichtlich von sozialen kontakten vielleicht ausreichend, wenn welche im umfeld bestehen, oder online-kontakte auch außerhalb des internets stattfinden würden?

falls ihr offene direktoren/lehrer findet, die sich auf experimente an ihrer schule einlassen, könnte auch versucht werden, an einer regelschule bedingungen zu schaffen, mit denen dein sohn zurecht käme. beispielsweise rückzug, wenn es zu viel wird, oder die lehrer sollen ihm alternativ das unterrichtsmaterial mitgeben, wenn er in ausnahmefällen einen schultag abbrechen müsste. klassenzimmer und sitzplätze können so gestaltet werden, dass man als autist nicht visuell überfordert oder zu sehr abgelenkt wird. schüler müssen auch nicht zwangsweise ständig ihre sitzplätze tauschen. wenn nicht gerade kurssystem besteht, sind eigentlich auch feste klassenräume verfügbar. falls tageslicht besser geeignet wäre als kunstlicht, könnte in der auswahl des raumes allgemein auch in der planung der schule berücksichtigt werden, eher einen raum mit ausreichend fenstern zu belegen. solche kleinigkeiten. weiß dein sohn, was ihn selbst stört, überfordert, ablenkt? das wären kriterien, die du mit direktoren/lehrern besprechen könntest.
26.11.09, 13:32:08
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