Fettnapffreie Zone - Selbsthilfe-Forum und allgemeines Diskussionsforum für alle weiteren Fragen des Lebens mit demokratisch legitimierten Moderationsregeln.
Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
- Für neue Besucher und Forennutzer gibt es [hier] eine Anleitung inkl. Forenregeln. -

Dieses Forum bereitet sich mittelfristig auf dem Umstieg auf eine neue Forensoftware vor. Hier, hier und hier finden sich Threads zu dem Thema. Derzeit arbeiten zudem verschiedene Funktionen der Forensoftware nicht mehr korrekt, Beispiele: Threadtitel mit Umlauten oder manchen weiteren Sonderzeichen werden nicht gespeichert. Dies betrifft nur die Titel, nicht die Beiträge selbst. Beiträge mit diesen Zeichen sind als Zitat im Antwort- oder Editierformular leer (manuelles Zitieren funktioniert auch mit diesen Zeichen). Mit diesen Einschränkungen ist die Forennutzung derzeit weiterhin möglich.

 
Autor Nachricht
55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat:
Die Zwillinge Konstantin und Kornelius Keulen, geboren 1985, leben mit ihrer Mutter in Potsdam. Sie gelten als Autisten, d. h., sie benutzen zur Verständigung die Sprache nicht.
Nach dem Abitur 2004 begannen sie an der Universität Potsdam ein Studium der Philosophie und Geschichte. Sie stehen kurz vor der Magisterprüfung.
Im Jugendliteraturwettbewerb des Landes Brandenburg erhielt Konstantin 2003 einen Lyrikpreis. Im gleichen Jahr veröffentlichten Konstantin und Kornelius ihr Buch Zu niemandem ein Wort. In schreib, der Zeitschrift für junge Literatur in Potsdam, erscheinen immer wieder Lyrik und kleine Prosastücke der beiden.

Quelle
Zitat:
Im Herbst werden die Zwillinge ihr letztes Studienjahr an der Uni Potsdam antreten. Bald werden sie ihre Schlussexamen in Geschichte und Philosophie ablegen. Wahrscheinlich werden sie dafür wieder Top-Noten kriegen, genauso wie während ihrer Schulzeit an der Voltaire-Schule, wo sie 2004 ihr Abitur mit der Note 1,6 bestanden. Sie werden in den Vorlesungen sitzen; einfach nur zuhören, ohne je mitzuschreiben, und die Blicke schweifen lassen. Manchmal werden sie sich in der Sommerhitze längs auf den Fußboden legen, um ihren Körpern Abkühlung zu verschaffen. Wenn sie dann zwischen den Kursen durch die Korridore laufen, werden ihnen viele Mitstudenten zunicken. Die Zwillinge sind bekannt. Man weiß, dass sie in Zeitschriften publizieren und sogar zwei Bücher veröffentlicht haben. Zu Beginn ihres Studiums waren sie noch aufgefallen. Nicht nur wegen ihrer extremen Ähnlichkeit und dem oft unkonventionellen Benehmen, sondern vor allem wegen ihrer „Sprachlosigkeit“. Denn die Zwillinge pflegen einerseits – ohne stumm zu sein – ein wortloses Verhältnis zu ihrer Umwelt. Andererseits ist ihr inneres Leben geradezu getränkt von Wörtern.

[...]

Ein extrem geschärftes Hör- und Sehvermögen – das zeichnet Autisten meist aus. Dass ihre Söhne Autisten sind, fand die Mutter aber erst nach mehrjähriger, vergeblicher Odyssee zu den Ärzten heraus. Sylvia Keulen – eine zierliche Frau mit dunklen Korkenzieherlocken – ist selbst Kinderärztin; sie hat eine Praxis in Königs Wusterhausen. Irgendwann stieß sie dann in der Fachliteratur auf das Phänomen. Sie las von der riesigen Informationsflut, die Autisten bewältigen müssen, weil sie – anders als „Normale“ – keinen Filter zum Unterscheiden wichtiger und unwichtiger Informationen besitzen. Viele Autisten trauen sich aus Angst vor dem Reiz-Trommelfeuer nicht mal auf die Straße. Oder sie beißen, treten. Auch Konstantin und Kornelius waren schwierig, als sie eingeschult wurden. Eines Tages hörte die Mutter vom so genannten „gestützten Schreiben“. Bei der Technik, deren Wirksamkeit in der Fachwelt umstritten ist, berührt ein Helfer den Zeigefinger, die Hand und den Arm des Betroffenen. Durch dieses „Stützen“ soll die Motorik stabilisiert werden – um wiederum die überbordende Gedankenwelt zu kanalisieren. Anfangs skeptisch, drückte sie den Söhnen Stifte in die Hand und stellte Aufgaben: „Ich fing an mit ,zwei und zwei’ – das Ergebnis war richtig. Bald wurde ich übermütig und ging in den Hunderterbereich. Multiplikation, Bruchrechnen. Ich stellte ihnen auch geografische Fragen. Oder fragte: ,Wie heißt der Bürgermeister von Berlin?’ – ,Diepgen’, schrieben sie.“ Die Antworten, von den Jungs in Schreibschrift verfasst, purzelten nur so heraus. Wie ein Dammbruch. Kornelius kann sich noch gut daran erinnern: „Ich war froh, dass wir uns endlich zeigen konnten, wie wir waren und dass wir alles wissen. Du (die Mutter, Anm. d. Red.) warst so glücklich, dass es eine Freude war. (...) Wir machten Vorschläge, was wir tun wollten. Also, ohne das Schreiben wäre unser Leben ärmer gewesen“, lautet seine Botschaft auf dem Zettel auf dem Küchentisch.

Quelle

Angaben zum Buch:

„ ... und dann jagen wir unseren Gedanken nach“
Konstantin und Kornelius Keulen
Conception Seidel, Muldenhammer

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
29.03.11, 12:02:42
Link
Gehe zu:
Technische Rechte (vorbehaltlich seperater moderativer Einschränkungen):

Es ist dir nicht erlaubt, neue Beiträge zu schreiben.
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu erstellen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu löschen.


HTML Code ist AUS
Board Code ist AN
Smilies sind AN
Umfragen sind AN

Benutzer in diesem Thema
Es lesen 0 Gäste und folgende Benutzer dieses Thema:

Ähnliche Themen
Thema Antworten Hits Letzter Beitrag
Gehe zum ersten neuen Beitrag Religion
534 646942
16.09.17, 10:59:45
Gehe zum letzten Beitrag von Gast
Gehe zum ersten neuen Beitrag Hallo.
585 6205
11.12.16, 18:05:19
Gehe zum letzten Beitrag von 55555
Gehe zum ersten neuen Beitrag Thread zur Beobachtung regimenaher Propagandamedien
292 286644
04.02.18, 20:06:43
Gehe zum letzten Beitrag von 55555
Archiv
Ausführzeit: 1.3385 sec. DB-Abfragen: 15
Powered by: phpMyForum 4.1.55 © Christoph Roeder