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Autor Nachricht
uol
(Standard)

geändert von: uol - 28.12.13, 18:16:32

Hallo Allesamt,

mich interessiert irgendwie der Zusammenhang zwischen Autismus und Hochbegabung, folgendermaßen
- meint ihr das eine Hochbegabung überdurchschnittlich wahrscheinlich ist bei Autisten?
- Oder ist es für Autisten eher wahrscheinlicher ein außerordentiliches Talent in einem speziellen (sehr eingeschränkten) Bereich zu haben?

Dementsprechend entstehen Anforderungen, ob an sich selbst oder seitens der Umwelt.
Meint ihr, dass der Druck für Autisten und Nicht-Autisten mit Hochbegabung ähnlich bzw. ähnlich wahrgenommen wird, man möchte/soll in seinem Bereich Höchstleistung erbringen ?

Und wie sähe dann das Verantwortungsbewusstsein bei Autisten und NAs mit Hochbegabung aus, haben diese unterschiedliche Wert, - Moralvorstellungen? - Sodass z.B für Autisten andere Prioritäten wichtiger sind als für NAs.

(Es wäre natürlich noch interessanter zu erfahren mit welchen Problemstellungen sich hochbegabte Autisten lieber beschäftigen als hochbegabte NAs .)

Das ganze hat keinen Hintergrund, ich frage nur aus Interesse und etwas Langeweile.

Viele Grüße
28.12.13, 18:14:14
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drvaust
(Autistenbereich)

Zitat von uol:
- meint ihr das eine Hochbegabung überdurchschnittlich wahrscheinlich ist bei Autisten?
Beim gesamten Autismusspektrum nicht. Bei HFA und AS vielleicht, aber eher nicht.
Zitat von uol:
- Oder ist es für Autisten eher wahrscheinlicher ein außerordentiliches Talent in einem speziellen ... Bereich zu haben?
Das ist kein Wiederspruch, Hochbegabung schließt ein Spezialtalent nicht aus.
Ich denke, daß bei Autisten Spezialinteressen besonders oft vorkommen. Ich kenne mehrere Autisten, die auf bestimmten Gebieten sehr talentiert sind.
Zitat von uol:
Meint ihr, dass der Druck für Autisten und Nicht-Autisten mit Hochbegabung ähnlich bzw. ähnlich wahrgenommen wird, man möchte/soll in seinem Bereich Höchstleistung erbringen ?
Das ist ein Klischee, daß weit verbreitet ist. Dabei haben Hochbegabte oft Probleme, diese Begabung praktisch anzuwenden.
Wenn ein Autist als hochbegabt gilt, wird er als Savant mit genialen Fähigkeiten angesehen, ansonsten als geistig behindert.
Zitat von uol:
... Verantwortungsbewusstsein bei Autisten und NAs mit Hochbegabung ... haben diese unterschiedliche Wert, - Moralvorstellungen? - Sodass z.B für Autisten andere Prioritäten wichtiger sind als für NAs.
Wahrscheinlich ja. Autisten sind etwas anders, auch mit Hochbegabung. NA sind mehr auf soziale Gruppen orientiert.
28.12.13, 20:15:34
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uol
(Standard)

geändert von: uol - 28.12.13, 22:34:01

So ähnlich habe ich es mir auch gedacht.

Nun mal zu den Spezialinteressen:
Was mag denn ausschlaggebend für die Wahl eines Spezialinteresses sein?
- Die Denkart eines Autisten oder das Thema?

Ist z.B ersteres der Fall, und kann man seinem Interesse aus irgendeinem Grund plötzlich nicht nachgehen (Umzug o.ä), dann müsste entsprechend schnell Ersatz gefunden werden können. Das verlangt aber eine Art Flexibilität und abstraktes Denken.

Im zweiten Fall kann es ja so kommen, dass man nur unter bestimmten Bedingungen zu seinem Interesse erst finden kann.

Zitat von drvaust:
[...] Dabei haben Hochbegabte oft Probleme, diese Begabung praktisch anzuwenden.

Denken Autisten daher objektbezogener, weniger abstrakt?




28.12.13, 22:16:00
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drvaust
(Autistenbereich)

Zitat von uol:
Zitat von drvaust:
[...] Dabei haben Hochbegabte oft Probleme, diese Begabung praktisch anzuwenden.
Denken Autisten daher objektbezogener, weniger abstrakt?
Ich vermute, daß Du das nicht so verstanden hast, wie ich das meinte. Hochbegabte haben oft Probleme, weil sie im Alltag unterfordert sind und mit der oberflächlichen Sinnlosigkeit der Leute nicht zurecht kommen. Außerdem sind sie anders, nicht normal, das gibt oft Ärger.
Autisten denken nicht weniger abstrakt.

Zitat von uol:
Was mag denn ausschlaggebend für die Wahl eines Spezialinteresses sein?
- Die Denkart eines Autisten oder das Thema?
Ich verstehe Deine Frage nicht richtig, kannst Du das anders formulieren?
Für die Art eines Spezialinteresses gibt es viele Ursachen, und Zufälle. Einer interessiert sich schon in früher Kindheit für Völkerkunde, ein Anderer für Klänge, für Motoren usw.. Die Denkart eines Autisten wird da nicht so ausschlaggebend sein, höchstens die Neigung, etwas möglichst perfekt zu machen, etwas möglichst vollständig zu beherrschen.
29.12.13, 03:10:42
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uol
(Standard)

Ja so vielleicht - kann man Spezialinteressen von Autisten klassifizieren? (Das Gehirn arbeitet anders-> andere Wahrnehmung -> andere (erkennbar spezielle) Interessen)



Zitat von drvaust:
Einer interessiert sich schon in früher Kindheit für Völkerkunde, ein Anderer für Klänge, für Motoren usw.. Die Denkart eines Autisten wird da nicht so ausschlaggebend sein, höchstens die Neigung, etwas möglichst perfekt zu machen, etwas möglichst vollständig zu beherrschen.


Ist ein Autist z.B Völkerkunde begeistert und ist in seiner Bibliothek kein einziges Völkerkundebuch vorhanden, begnüget er/sie sich dann mit Geschichte o.ä, oder gibts dabei selten Abweichungen (thematisch also sehr fixiert).
29.12.13, 10:48:53
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat:
meint ihr das eine Hochbegabung überdurchschnittlich wahrscheinlich ist bei Autisten?

Das ist mein Eindruck.
Zitat:
Oder ist es für Autisten eher wahrscheinlicher ein außerordentiliches Talent in einem speziellen (sehr eingeschränkten) Bereich zu haben?

Die Frage scheint mir nicht so einfach zu beantworten zu sein. Weil sich jemand intensiv und gründlich mit bestimmten Themen auseinandersetzt ist das ja keine quasi genetische Veranlagung.
Zitat:
Meint ihr, dass der Druck für Autisten und Nicht-Autisten mit Hochbegabung ähnlich bzw. ähnlich wahrgenommen wird, man möchte/soll in seinem Bereich Höchstleistung erbringen?

Teilweise vermutlich schon. Allerdings will man dann wohl weniger "Höchstleistungen" vollbringen, sondern eher mal mit Leuten zu tun haben, die nicht irgendwie "geistig minderbemittelt" zu sein scheinen (IQ 130 = "Hochbegabung"; IQ 100 = Bevölkerungsdurchschnitt; IQ 70 = Beginn des Bereichs der "Menschen mit Lernschwierigkeiten").
Zitat:
Und wie sähe dann das Verantwortungsbewusstsein bei Autisten und NAs mit Hochbegabung aus, haben diese unterschiedliche Wert, - Moralvorstellungen? - Sodass z.B für Autisten andere Prioritäten wichtiger sind als für NAs.

Das wird sich schon unterscheiden.
Zitat:
Beim gesamten Autismusspektrum nicht.

Das sehe ich anders. Allerdings dürfte es etliche geniale Autisten geben, die wegen unzumutbarer Lebensumstände nahezu keine Kraft haben ein eigenes Leben zu leben.
Zitat:
Was mag denn ausschlaggebend für die Wahl eines Spezialinteresses sein?
- Die Denkart eines Autisten oder das Thema?

Zum Begriff "Spezialinteresse" empfehle ich einen Blick ins Forenlexikon.

Warum interessiert uns etwas? Das ist eine dieser Fragen, auf die es allgemein oft schwer ist eine Antwort zu finden.
Zitat:
Ist z.B ersteres der Fall, und kann man seinem Interesse aus irgendeinem Grund plötzlich nicht nachgehen (Umzug o.ä), dann müsste entsprechend schnell Ersatz gefunden werden können. Das verlangt aber eine Art Flexibilität und abstraktes Denken.

Kannst du das etwas weiter ausführen?
Zitat:
Ist ein Autist z.B Völkerkunde begeistert und ist in seiner Bibliothek kein einziges Völkerkundebuch vorhanden, begnüget er/sie sich dann mit Geschichte o.ä, oder gibts dabei selten Abweichungen (thematisch also sehr fixiert).

Da wäre dann für mich erstmal die Frage, wieso er sich überhaupt dafür interessieren soll, wenn er im übertragenen Sinn keinen Zugang zu Material dazu haben soll.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
29.12.13, 13:05:53
Link
uol
(Standard)

geändert von: uol - 29.12.13, 17:36:45

Zitat von 55555:

Zitat:
Ist z.B ersteres der Fall, und kann man seinem Interesse aus irgendeinem Grund plötzlich nicht nachgehen (Umzug o.ä), dann müsste entsprechend schnell Ersatz gefunden werden können. Das verlangt aber eine Art Flexibilität und abstraktes Denken.

Kannst du das etwas weiter ausführen?


Naja, dass Autisten sehr disziplinär denken. Also das Spekulationen, Vorhaben und Vorgriffe nur erschwert eingeschätzt werden können, fallen sie thematisch aus einem gewissen Rahmen.
Ein Bsp. (Unternehmen - Ökonomie):
- Der Autist kann das Zustandekommen eines Umsatzdiagramms nachvollziehen, daraus jedoch keine Schlüsse für einen zukünftigen Investitionsplan ziehen.

Für einen Autisten sind Begriffe bestimmter Kategorien vollkommen unintressant bis anders (u.U erschwert) zugänglich.

29.12.13, 17:24:06
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Ich glaube nicht, daß das so zutrifft.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
29.12.13, 17:27:48
Link
Perunica
(Nur rote Bereiche)

Zitat von uol:
Ein Bsp. (Unternehmen - Ökonomie):
- Der Autist kann das Zustandekommen eines Umsatzdiagramms nachvollziehen, daraus jedoch keine Schlüsse für einen zukünftigen Investitionsplan ziehen.

Das glaube ich eher nicht, es gibt ja auch Autisten, welche selbstständig sind.
Und man kann sehr wohl berechnen, wo sich Investitionen lohnen oder eben besser gelassen werden.
Allerdings ist es sehr komplex, was man als Selbständiger alles dabei beachten muss.
Übrigens planen auch NA schon mal kräftig daneben.

Zitat von uol:
Für einen Autisten sind Begriffe bestimmter Kategorien vollkommen unintressant bis anders (u.U erschwert) zugänglich.

Dem stimme ich zu, allerdings nur teilweise.
Mein NA-Mann hat Interessen, welche für mich völlig uninteressant sind und umgekehrt ist es genauso.
Und ich interessiere mich nicht automatisch für alles, was anderen Autisten wichtig ist, erwarte das aber auch nicht für mich und meine Interessen.
29.12.13, 19:02:53
Link
PvdL
(Φιλίππος Φιλύρινος)

Alle Versuche, ein komplexes Phänomen auf ein paar einfache Lehrsätze herunter zu brechen, kommen nicht umhin, in unzulässiger Weise zu verallgemeinern. Deshalb sagt man ja auch:

"Soziologische Untersuchungen haben praktisch immer als Ergebnis die Erkenntnis: Für manche ist es zutreffend, für manche ist es nicht zutreffend."

Das gilt auch für alles, was jemals über Autisten gesagt wurde.

Der #Sozialdarwinismus kämpft sich zurück an die Spitze gesellschaftlicher Umgangsformen. #Konservativismus katapultiert sich in ungeahnte Höhenflüge. 'konservativ sein' bedeutet jedoch 'stark sein, alles unter Kontrolle haben und Gegner gnadenlos vernichten wollen'. Eine menschlichere Welt hat dieses nicht zur Folge. #Krieg hat immer nur Verlierer. Wir müssen gemeinsam diese #Archaismen überwinden wollen.
29.12.13, 22:04:20
Link
uol
(Standard)

geändert von: uol - 30.12.13, 15:29:40

Hier mal was interessantes aus dem Netz (EPF Modell):

[...]
Savant abilities may represent the autistic equivalent of what "expertise" is for non-autistic individuals. Special abilities would use a bottom-up instead of a top-down choice of domain of application, involve different domains of information, substitute self-reward for social reward, make a different use of perception and memory, and rely on implicit rule extraction vs. explicit learning. Savant abilities rely also on different relations among the various cognitive operations involved in their accomplishment, and entertain a unique relation with general intelligence. We now hypothesize that the development of savant ability requires five distinct components, including an encounter with a perceptually defined class of units, a brain-behavior cycle, expertise effects, implicit learning, and generalization to new material.
Special abilities operate on series of perceptually defined units that are rigidly defined for each savant but present the same phenomenalistic properties for all savants. Even if special abilities may sometimes reach a high level of abstraction, we contend that they are all "rooted" by their composition in series of perceptually recognizable elements. The choice of these units is plausibly constrained for the entire autistic population, as indicated by the very high level of similarity of special abilities all over the world. These units appear to satisfy the following phenomenal criteria: they are presented in orginazed patterns (books, calendars, phonebooks, mechanical objects; tonal melodies, prayers, lists); they share a high level of perceptual similarity across time and space (letters for hyperlexia, digits for calculators, letters and digits or calendar calculators, 2-D of 3-D visuo-perceptual properties for savant mechanists and draftsmen, pitches for savant musicians); and they belong to a defined combinatorial series (digits, letters, "geons", chromatic scale).[...]
[Quelle: EPF]

Für mich entsteht aber irgendwie dadurch die Frage ob bestimmte Fähigkeiten sozusagen nur auf Autisten beschränkt sind (bei NAs nicht von wissenschaftlichem Interesse - da kein pathologischer Hintergrund). Es wäre dann irgendwo so, als ob man sagen würde - alle Kalenderrechner sind ausschliesslich Autisten.
30.12.13, 15:27:13
Link
feder
(Autistenbereich)

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn du Autismus nicht als etwas Pathologisches betrachtest. Du könntest dir auch das Autismuslexikon oben im Forum anschauen.
30.12.13, 19:26:39
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