Zitat:
Steve Jobs war berühmt dafür, sich fast immer gleich zu kleiden. Der 2011 verstorbene Mitgründer von Apple zeigte sich bei öffentlichen Auftritten regelmäßig mit schwarzem Rollkragenpullover, Jeans und Turnschuhen. Angeblich hatte er Dutzende von identischen Kleidungsstücken im Schrank. Eine ähnliche Marotte pflegt Mark Zuckerberg, der Vorstandsvorsitzende von Facebook, dessen Markenzeichen graue T-Shirts sind. Zuckerberg hat einmal gesagt, er wolle keine Energie damit verschwenden, sich jeden Tag aufs Neue Gedanken über sein äußeres Erscheinungsbild zu machen.
Einen ähnlichen Hang zur täglichen Uniform hat auch Elizabeth Holmes, die ein durchgehend schwarzes Ensemble aus Hosenanzug und Rollkragenpullover bevorzugt. Die 31 Jahre alte Holmes mag noch nicht so berühmt sein wie Jobs oder Zuckerberg, aber sie schickt sich an, zur neuen Vorzeigeunternehmerin Amerikas zu werden. In der gerade veröffentlichten „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt ist sie die jüngste Frau - ihr Vermögen wird auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt.
Dieser Reichtum kommt von Theranos, einem von ihr gegründeten und geführten Diagnostikunternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley, mit dem sie sich vornimmt, das Gesundheitssystem zu revolutionieren. Mehr als die eigenwillige Bekleidung ist es dieser Weltveränderungsanspruch, der manche Menschen Parallelen zwischen Holmes und Technologievisionären wie Jobs ziehen lässt. Zum Beispiel Channing Robertson, einst Universitätsprofessor von Holmes, der von seiner früheren Studentin so überzeugt ist, dass er heute ihr Angestellter ist.
Mit Theranos will Holmes den Markt für Labortests aufmischen, der allein in den Vereinigten Staaten ein geschätztes Umsatzvolumen von mehr als 70 Milliarden Dollar hat. Hinter der Idee für Theranos steckt ein sehr persönliches Motiv, denn Holmes hat Angst vor Spritzen. Theranos verspricht Bluttests ohne schmerzhafte Einstiche. Ein kleiner Pieks im Finger - und wenige Tropfen Blut sollen mit der Methode des Unternehmens reichen, um eine ganze Fülle von Tests vornehmen zu können. Die Prozedur soll nicht nur weniger schmerzen als traditionelle Blutentnahmen, sondern auch deutlich billiger sein.
Das wird nach der Vorstellung von Holmes dazu führen, dass sich viel mehr Menschen als bislang Bluttests unterziehen.
[...]
Die Vision von Holmes: „Eine Welt, in der niemand sagen muss: Hätte ich es doch nur früher gewusst!“ Bei Investoren kommt das gut an. Theranos hat in einer Finanzierungsrunde 400 Millionen Dollar eingesammelt und wurde dabei mit 9 Milliarden Dollar bewertet.
[...]
Holmes neigt dazu, rigide zu sein, ob es nun bei der Auswahl ihrer Kleidung ist oder bei ihren Essensgewohnheiten. Sie ist strikte Veganerin und ernährt sich mit Vorliebe von Gemüsesäften mit Zutaten wie Spinat, Petersilie, Gurken und Sellerie. Wie kürzlich in einem langen Porträt über sie in der Zeitschrift „New Yorker“ zu lesen war, gönnt sich Holmes auch keine Zeit fürs Privatleben. Henry Kissinger und seine Frau sollen sogar versucht haben, sie zu verkuppeln - ohne Erfolg.