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Autor Nachricht
Zephyr
(Standard)

Die Frage ist, wie weit kann man als Autist in einer NA-Welt gehen und sich entwickeln, um zu überleben. Dies ist zumindest meine Frage, die ich mir heute stelle.

Ich bin darauf geeicht, viel auszuhalten und bei Problemen Lösungen zu finden, ohne aber noch die Zeit zu haben, die Ursachen dahinter zu ermitteln. Die Welt ist schnelllebig, und meine Energie ist begrenzt. Das ist nicht außergewöhnlich. Das ist gewiss bei jedem Menschen so. Die entscheidende Frage ist, wieviel Energie braucht man, um die Erwartungshaltung einer Gesellschaft oder auch nur gewisser Menschen erfüllen zu können. Wenn man NA ist, kann man die Erwartungen, wie ein NA zu sein hat, gewiss ganz gut erfüllen? ich glaube nicht. Borderliner, Schizophrene, Hochsensible, Homosexuelle, etc. sind meist auch NA, aber können nicht die Erwartungen der Gesellschaft in jeder Hinsicht erfüllen. Das Problem liegt daher viel eher in den Erwartungshaltungen als in der Art, wie man ist, denkt, fühlt, lebt, und was man liebt oder nicht liebt.

Nun wurde ich aber so erzogen, dass ich typische neurotype Erwartungshaltungen in der Gesellschaft erfüllen solle. Ich versuche es, suche stets nach den Ursachen für meine Probleme, warum es eben bei mir nicht klappt. Ich will ja gut sein, gut leben und Erwartungen und Anforderungen erfüllen, die jene NA-Welt mit sich bringt.

Aber selbst wenn ich die Ursache hinter einem Problem meinerseits finden sollte, kann ich diese dennoch oftmals nicht beheben, weil es von anderen abhängt, die dazu keine Lösungen ermöglichen, die wirklich für Autisten geeignet sind. Beispielsweise suchte ich anfangs meines Studiums ganz gezielt und motiviert nach Hilfen, um jene Probleme, die mir aus früheren Erfahrungen bekannt sind, aus dem Weg zu gehen. Stetig bereit zur Anpassung,

Autismus Deutschland kann nichts tun, weil sie nach eigener Aussage nicht die dafür notwendige Besetzung haben. Die Behindertenstelle der Uni kann sich nur an Gesetze und Empfehlungen von Fachärzten halten. Damit darf ich 25 % länger schreiben, wofür ich aber zu jeder Prüfung eine Art Antrag stellen muss. Kurz gesagt, ist der Verwaltungsaufwand dafür auf meiner Seite sehr hoch, so dass diese Hilfe zwar einerseits entlastet, andererseits aber zusätzlich belastet.

Zuletzt gibt es noch das Studentenwerk, welches mir anfangs zwar eine sog. Studienassistenz genehmigte, ich aber damit beauftragt wurde, einen Kommilitonen zu finden, der diese übernimmt, und ich dazu die Zeit- und Kostenabrechnung machen sollte. Das war unmöglich für mich, allein weil es mir schon schwer viel, nun n-viele Menschen über meinen Autismus aufzuklären und zu fragen, ob sie das machen würden.

Es gibt Hilfen, nicht viele, aber es gibt sie ja. Ich kann mir jene ja holen, so sagen es manche Menschen. Das machte ich, musste aber feststellen, dass sie entweder gar nicht helfen können, oder deren Hilfe mehr Belastung bedeutet als es Entlasten oder gar Enthindern könnte.

Um mal Autismus Deutschland aufzugreifen: Jene Organisation impliziert bereits mit ihrem Namen, dass sie sich für den Autismus, also für Autisten einsetzen würden. Die Realität, zumindest meine Erfahrung, sagt etwas anderes. Man kann dort nett plaudern, aber echte Hilfe bekam ich von jener Organisation jedenfalls nicht. Sie waren eben laut ihrer Aussage unterbesetzt im Bereich von Erwachsenen Autisten, um da einem Autisten helfen zu können.

Aber genug der Kritik. Es gibt ja noch andere anerkannte und bekannte Stellen, wo man Hilfe bekommt. Wirklich? Nein, zumindest nicht in Berlin. Selbst die Uni kann da nicht viel mehr tun, als sich an Gesetze zu halten. D.h. soviel, dass ich abhängig von der Gunst eines Arztes bin, der für mich entsprechende Nachteilsausgleiche empfielt. Diese müssen dann noch durch den Verwaltungsakt der Uni gelangen und am Ende kommt das dann zumindest zum Teil durch. So darf ich länger in Prüfungen schreiben. Supi! Da kann ich dann nach 90 Minuten absolter Reizüberflutung nochmal so 20-25 Minuten in Ruhe und Stille arbeiten- Wäre ich dann nicht bereits komplett kaputt im Kopf, wäre das sogar ganz gut. Pausen während der Prüfung wurden mir indes nicht genehmigt. Ein separater Raum ebenso wenig.

Ist das Hilfe? Ja, nur bringt diese nicht sehr viel; es löst das eigentliche Problem in keiner Weise. Dabei wird nichts und niemand enthindert.

Aber es gibt ja noch das Studentenwerk. Es gibt also noch einen anderen Weg, um Enthinderung zu erfahren. Leider wurde mir das Bafög verwehrt. Ich hätte dagegen klagen können, ja, aber ernsthaft?
Energetisch schon völlig am Limit und dann noch alleine in ein unbekantes Feld gehen, was sich Klage nennt? Wirklich? Das war definitiv nicht möglich meinerseits. Zum Glück habe ich eine Arbeit, womit ich ein bisschen was verdiene und die ich von zuhause ausführen kann. Glück im Pech!
Es gäbe anbei noch das Wohngeld, so das Studentenwerk. Ich habe das mal durchgerechnet. Dafür, dass ich dabei stetig über mein Vermögen Auskunft geben muss, bekomme ich nicht viel mehr, als wie ich nun mit meiner kleinen Arbeit und Unterstützung von außen bekomme. Auch in der Sache vermute ich, dass es mehr Belastung als Entlastung sein wird.

Aber gut, es gibt ja noch die Studienassistenz, die mich zumindest im Studium entlasten würde. Tja, an sich würde es das, wenn man dabei nicht erst mal als Autist viele Kommilitonen dazu ansprechen müsste, die Sache erklären und erörtern, sich outen müsste, um dann jemanden zu finden, der diese Studienassistenz auch wirklich machen will. Wenn man einen Menschen dafür gefunden hat, muss man noch die ganze Stundenabrechnung dazu machen, sprich Buch führen, welches man dann dem Studentenwerk überreicht. Also auch hier mehr Belastung als Entlastung und mehr Behinderung als Enthinderung.

All das sind meine Erfahrungen. Falls dies jemand anders erlebt hat, so darf er das gerne schildern.
Ich jedenfalls erlebe in dieser Welt sehr stark, dass man als Autist einfach keine entsprechenden Hilfen erhält, sondern für jene Hilfen oftmals sehr viel mehr leisten muss, als man ohne jene leisten müsse.

Ein eigenständiges Leben als Autist in einer NA-Welt?
Ich bin sehr bemüht darum, und doch ohne Zweifel in meiner Kindheit traumatisiert worden und oft am energetischen Limit lebend und sicherlich zu oft im Meltdown gewesen.
Ich weiß sehr gut, dass ich mit etwa 14 Jahren energetisch noch auf einem halbwegs stabilen Level war, wenngleich nicht mehr ganz so stabil in meiner Psyche. Danach kippte das gänzlich. Es folgten viele Depressionen, Burnouts, Selbstverletzungen, Wutausbrüche, und vieles mehr. Nach einigen Jahren lernte ich all das besser zu kontrollieren, mich zu kontrollieren, mich zu beherrschen, und mich soweit kennen zu lernen, dass ich Overloads und Meltdowns gar lange Zeit hinauszögern kann. Das ist gut, sehr gut, wenn man das Bestreben hat, die Erwartungshaltungen einer NA-Welt erfüllen zu wollen.

Die Krux an der Sache ist nur, dass es nicht funktioniert. Als Autist kann man nicht NA sein. Ich will auch nicht NA sein, aber ich muss wie ein NA sein, um das erreichen zu können, was NA mit meinem Potential erreichen könnten.

Die Folge aus all dieser Zeit und den Erlebnissen und der mangelhaften Unterstützung und Anerkennung für mich, wie ich bin und ticke und funktioniere ist letztendlich, dass ich energetisch sehr oft auf Null laufe. Ich breche unter der Last zusammen, stemme mich aber, weil ich einen starken Willen habe, dagegen. Raffe mich auf und plane weiter daran, wie ich mich am besten noch mehr anpassen kann, so dass ich in der NA-Welt trotz aller Barrieren so funktionieren kann, wie ich gerne von mir aus funktionieren möchte.

Mein Leben ist nur ein Leben. Ein Leben eines Autisten. Es ist bei jedem gewiss anders. Aber ich denke, dass ich schon sehr stark bin und sehr kämpferisch bin und weit über meine Grenzen gehen kann. Das kann aber nicht jeder Autist. Es gibt zwar ganz sicher so manche Autisten, die können das noch viel besser als ich. Das sind dann gerne jene, die medial präsentiert werden, aber es gibt auchjene, die diese Belastung überhaupt nicht aushalten können. Das sind dann wohl jene, die medial als schwer behinderte Autisten präsentiert werden. Schwer traumatisierte Menschen, die man einfach nur als Behindert bis hin gestört abstempelt und oftmals noch weiter mit ABA und TEAACH traumatisiert.

Dagegen kann ich mich noch als glücklich schätzen, dass bei mir sowas nie angewandt wurde. Aber es ist nicht unbedingt besser, wenn der Autismus unerkannt bleibt und man daher wirklich ständig von Kindheit an behindert wird und für sein eigenes Sein kämpfen muss.

Deswegen braucht es ein Bewusstsein in der Gesellschaft für die neurologische Vielfalt. Man muss weg vom Gedanken kommen, dass man den Menschen normen könne. Eine Norm gibt es nicht. Die Natur kennt keine Normen. Die Natur kennt nur Vielfalt. Deswegen braucht es vom Kindergarten an ein System, welches nicht genormt ist, sondern die Individualität eines jeden Menschen individuell fördert.

Aber damit ist es nicht getan. Es braucht ebenso ein klare und gezielte Enthinderung all jener Autisten, die bereits Erwachsen sind. Diese gibt es eben nicht, obwohl ich danach intensiv suchte und bei 3-4 Stellen landete, die keine echte Hilfe liefern konnten. Das kann es nicht sein und darf nicht sein. Es kann und darf nicht sein, dass ein Autist aufgrund von zahlreichen Barrieren so sehr zusammenbricht, dass jener trotz der vorhandenen Begabung für eine Sache am Ende in Hartz IV landet.

Ich stehe kurz vor so einem Zusammenbruch. Da ich davon aber schon so viele durchmachte, weiß ich, dass ich am Ende da irgendwie wieder raus komme. Ich lernte auf die harte weise, mit Krisen umzugehen, lernte, dass man diese annehmen muss, wie sie sind, um da am Ende auch wieder vernünftig heraus kommen zu können. Aber ich bin nicht andere. Viele Menschen schaffen das nicht, und selbst wenn es viele Menschen schaffen würden, ist das dennoch eine massive Behinderung, im Sinne von behindert werden. Das betrifft eben nicht nur Autisten.

Dagegen muss man daher etwas tun. Ich kann und werde in der Sache aber erstmal nicht mehr so viel tun, weil ich energetisch einfach nicht mehr kann. Allein so einen Thread zu eröffnen kostete mich 3 Tage Bedenkzeit. Und selbst jetzt denke ich noch, dass dieser Thread nicht das ist, was ich eigentlich plante. Einerseits viel zu lange und anderseits viel chaotisch. Ich könnte diesen Text nun erneut löschen, aber wenn ich all das immer wieder lösche, komme ich auch nie zu dem Ziel, was ich verfolgte.

Es hat mich jedenfalls viel Energie gekostet, die ich gerne dafür investierte. Großartig werde ich mich darin aber erstmal nicht weiter beteiligen. Ich wollte eben nur mitteilen, was ich unbedingt mal mitteilen wollte. Ich muss letztendlich ja mit aller Energie, die ich habe, daran arbeiten, noch besser in der NA-Welt zu werden, damit ich in dieser Welt jenen Erfolg habe, den ich mir wünsche und der mir allein von meiner Begabung her auch zusteht.

Konstruktiv sinnvolle Sachen unterstütze ich zwar weiterhin, aber nur, wenn man von mir dabei nichts erwartet. Erwartungshaltungen anderer will ich eben nicht mehr erfüllen müssen. Das tat ich viel zu lange im Glauben daran damit würde alles viel besser oder zumindest leichter für mich werden.

Ich lernte letztendlich wieder sehr selbstbestimmt und selbstdenkend zu leben. Ich weiß, dass dies nicht jedem passt, ich durchaus bei so manchen Menschen damit anecken werde, aber so sozial ich auch gerne bin, so wenig nützt mir das, wenn es um mein Überleben in dieser Welt geht.

Wenn es andere und bessere Wege gibt, so bin ich dafür immer offen. Solange es diese aber nicht gibt, folge ich meinem eigenen Kurs, den ich nach meinem Gewissen und meiner Moral als am vernünftigsten erachte.
15.05.18, 03:51:16
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