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Zur Ruhe finden und erkennen

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06.12.10, 18:52:04

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Meint ihr (Autisten) gut zur Ruhe finden zu können? Wie seht ihr den Vergleich zu NA in eurem Umfeld?
Zitat:
Vor hundert Jahren hätte man uns vermutlich alle als Neurastheniker eingestuft, als nervenmüde Zeitgenossen, gefangen in einem wahnhaften Aktionismus, der uns ständig vorwärtspeitscht – und uns doch nie bei uns selbst ankommen lässt. Statt in unserer jeweiligen Handlung aufzugehen und im besten Falle den Flow, den Rausch des konzentrierten Schaffens erleben zu können, fühlen wir uns fahrig, fremdgesteuert und irgendwie nur halb anwesend. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind nicht nur die Ruhe zum Denken und zum konzentrierten Arbeiten, sondern auch die Wertschätzung unseres Lebens.

»Wir beobachten, dass im Online-Zeitalter viele Menschen die Fähigkeit verlernt haben, geistig und seelisch offline zu gehen, also abzuschalten«, sagt Götz Mundle, Ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken, in denen Erkrankungen wie Sucht, Burn-out und Depressionen behandelt werden. Die meisten seiner Patienten bemerkten gar nicht, wie stressig das ständige Kommunizieren sei. »Wir wissen, dass wir bei einem Bürojob körperlichen Ausgleich benötigen, daher gehen viele ins Fitnessstudio. Den wenigsten ist aber bewusst, dass auch die Informationsflut geistig verarbeitet werden muss«, sagt Mundle. Das Problem seiner Patienten sei es nicht, Höchstleistungen zu erbringen. »Im Gegenteil, das Problem ist, abzuschalten und nichts zu tun.«

Quelle
06.12.10, 20:30:02

zoccoly

Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich ausdrücken kann.
Zuerst benötige ich Ruhe, um überhaupt zur Ruhe finden zu können. Das ist auch an einen gewissen Zeitrahmen gebunden.
Diesen Rahmen besitze ich in der Woche nicht.
Am Wochenende komme ich zur Ruhe, selbst aus einem unruhigen Grundgefühl und das schlagartig, wenn ich bestimmte Orte aufsuche.
Habe ich länger frei ist es sehr schwer, mich aus der Ruhe zu bringen. Ich lebe sie dann auch ganz bewusst.
Pauschal kann ich mich zu NA nicht äußern. Ich erlebe viele, die meiner Meinung nach gar nicht zur Ruhe finden könnten. Sie leben im Aktionismus, andere ziehen sich zumindest im Urlaub sehr zurück und suchen bewusst die Einsamkeit.
06.12.10, 21:05:46

jens

Es sind bestimmte Orte an denen ich zur Ruhe kommen kann. Bsp, bei uns in der Stadt ist ein Romanischer Dom, gehe wenn ich Ruhe suche dahin. Setze mich in die Letzte Bank und Spüre eine Kraft durch mich Strömen. Bin kein Religiöser Mensch, aber das so ein Ort der Kraft, und der Ruhe.
Habe festgestellt das viele NA fast Krank werden wenn sie mal zur Ruhe finden. Oder anders. Die Ruhe erscheint ihnen oft als Krankhafter zustand. Kann das besonders in diesen Monat immer wieder Beobachten. Dieses gejagte vor den Feiertagen. Das hetzen, und das gehetzte .Um es ja allem recht zu machen. Und sind dann die Tage da eskaliert es, weil das Plötzliche eintreten von Ruhe dann als stress empfunden wird.
06.12.10, 21:37:42

Mama

Wenn nichts auf mich einwirkt, keine ungewohnten Geräusche um mich herum sind, dann komme ich zur Ruhe.
Wenn ich mich mit einem Thema beschäftige, empfinde ich eine Unruhe in mir, die oftmals für mich unbewußt, sichtbar für andere Menschen ist.
Einfach durch die Natur zu laufen (ohne Hund) kann mich sehr beruhigen.
Ich kann wichtig und unwichtig nicht richtig einordnen; ich nehme alles für gleich wichtig auf, daher ist es für mich am besten nichts an mich rankommen zu lassen um zu entspannen.
Oftmals ist es aber auch zuviel und ich nehmen gar nichts mehr wahr, eine Schutzfunktion.
Ich beneide meinen Mann darum, das er die unwichtigen Dinge ausblenden kann; das er erkennt was wichtig ist.
07.12.10, 11:09:02

Lumpi

Naja, bei mir ist es eher das umgekehrte Problem, ich komme aus der Ruhe nicht raus, was andere Menschen mitunter richtig "wahnsinnig" macht. Es wäre mir lieber wenn ich doch mal so richtig aus der Haut fahren könnte, und vor lauter Aktivismus nicht zur Ruhe käme. Zum Beispiel verstehe ich nicht, wie man grantig reagieren kann wenn man Haushalt erledigt, zum Beispiel beim Wäsche zusammenlegen mache ich mir einfach mal Musik an, damit diese Tätigkeit mir nicht all zu langweilig wird. Oder wenn mein "Großer" beim Baden das Bad flutet, sage ich mir auch nur; "mei, wo zu gibt es Putzlumpen". Aber ich fürchte das ist gesellschaftlich nicht die richtige Einstellung. Cholerisch werde ich nur, wenn man mich anschreit oder meine Kinder angreift, das kann ich nicht haben.
Aber ich denke mitunter , ein wenig mehr Aktionismus meinerseits täte wohl den Kindern auch ganz gut - ich lasse wohl zu viel durchgehen, weil ich mir sage, es läßt sich doch alles wieder richten, und sofern die Kinder sich nicht selbst gefährden ist doch alles in Ordnung.

Viele Grüße

Lumpi
07.12.10, 12:22:32

f.j.neffe

Jeder Mensch hat mindestens 5000 Talente & Kräfte. Ich frage immer: "Mit wievielen davon bist Du persönlich befreundet?" Fürs Lernen hat man uns beigebracht, unsere feinsten Geistes- und Seelenkräfte zu quälen. Dass sie auch Hunger haben nach Achtung und Anerkennung, nach Bestätigung und echtem Interesse an ihrer guten Entwicklung, davon war nie die Rede. Wir füttern nur den Körper, um Geist und Seele hat man sich nicht zu kümmern, das wäre "egoistisch".
Wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn meine Seele hundert und dürstet und friert?
Wenn jemand unter die Räuber gefallen ist, retten wir ihn als barmherzige Samariter und sorgen für Pflege und Heil. Wie aber ist das, wenn die Kräfte in uns ausgelaugt, ausgebrannt, ausgeplündert werden? Oft schämen wir uns darauf noch, dass unsere feinen Talente die Misshandlungen nicht besser ertragen haben! Für zu schwach = zu schlecht halten wir uns. Und schwächen unsere misshandelten Kräfte noch einmal selbst, indem wir sie im Stich lassen.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer weiß ich, dass es auch anders herum geht. Ich kann der beste Freund gerade der Talente werden, für die sich alle schämen, die alle im Stich lassen, denen alle das Nötigste entziehen und vorenthalten: Achtung, Anerkennung, Bestätigung, Bestärkung, Ermunterung, Ermutigung, Interesse an der guten Entwicklung. Ich kann es geben. Ich kann auf die Kräfte setzen, auf die keiner gesetzt hat. Ich kann ihnen ihre Chance geben. Immer wieder. Das ist ihre und meine und unser aller Chance.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
07.12.10, 13:08:52

Lumpi

Lieber neffe,

ich denke mal ein Beitrag selbigen Inhaltes hätte es auch getan ;)

Viele Grüße

Lumpi
 
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