Community zur Selbsthilfe und Diskussionsforum für alle weiteren Fragen des Lebens. Fettnapffreie Zone mit demokratisch legitimierten Moderationsregeln.
Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
- Für neue Besucher und Forennutzer gibt es [hier] eine Anleitung inkl. Forenregeln. -
 

Nicole Schuster bezeichnet sich nicht mehr als Autistin

original Thema anzeigen

27.02.11, 16:12:26

55555

Link (ehrlich gesagt ist mir das ziemlich egal, aber wohl wissenswert, da sich immer mal Leute auf sie beziehen)
01.03.11, 23:15:49

Antika

Mir ist das auch egal.

Habe mir das mal auf der Seite durchgelesen.

Ich steckte in keiner Krise als ich meine Diagnose bekam. Meine Ärztin hatte ein Problem mit meinem Blutdruck. Es gab einige Untersuchungen und viel Lauferei für mich. Am Ende erhielt ich dann die Diagnose: Asperger Syndrom.

Ich habe mich nie autistisch gefühlt, denn ich weiß ja nicht wie sich einer fühlt der kein Autist ist. Ich empfinde mich nicht anderers, aber die anderen Menschen finde ich seltsam.

Seltsam vielleicht weil sie keine Autisten sind?

Aber auch das ist mir letztendlich egal.
02.03.11, 00:18:55

zoccoly

Ich sehe die ganze Sache nicht unproblematisch.
Wenn man sich auf die Medien einlässt, sollte man sich schon der Außenwirkung bewusst sein und der damit verbundenen eventuellen Fehlinterpretation.
Insofern kann ich die Unterzeichner des Briefes gut verstehen.
Sie beziehen sich nicht auf den Fakt, sondern auf die Wirkung.
In diesem Zusammenhang habe ich mich auch gefragt, was die A ,die sich dann nicht mehr so sehen, eigentlich als autistisch ansehen, was sie dann nicht mehr besitzen wollen.
Vielleicht meinen sie all die Sachen die sie ablegen konnten, da sich Lebensumstände geändert haben.
Ich denke, dass eine fatale Botschaft bei NA ankommt, die diese A bei ihrer Äußerung eventuell weder bedacht haben, noch gewollt.

02.03.11, 11:04:40

Fundevogel

Ich mache im Gespräch öfter die Erfahrung, dass Menschen sagen..."Ach, ist das autistisch? Dann habe ich auch etwas Autistisches an mir" und lernen sich neu kennen.

Diejenigen, die sensibel auf Andersartiges reagieren, interessieren sich weniger für Autismus an sich sondern es liegt ihnen sehr am Herzen, dem anders Kommunizierenden oder anders Reagierenden im Sinne der Vielfalt menschlichen Lebens einen festen Platz zu geben, es zuzulassen, es als Bereicherung und als geistige Anregung oder gesellschaftliche Notwendigkeit zu betrachten.

Diejenigen, die Angst oder Abneigung gegenüber allem verspüren, was ihre gewohnten Denk-Pfade stören könnte, machen um das Thema einen großen Bogen.

Es stellt sich die Frage, ob das anders Geartete gedacht, wahr genommen und gewünscht werden kann, wenn es nicht beim Namen genannt wird?
02.03.11, 14:17:27

haggard

habe eher den eindruck, dass sie wie ein maskottchen gehandelt wurde und nun ist der mob wütend oder was auch immer.

es haben schon andere autisten geäußert, dass sie autismus überwunden haben oder gar geheilt davon wären, oder sie äußern dinge, die katastrophalere auswirkungen haben müssten, weil etwas über ganze menschengruppen geäußert wird und nicht nur etwas sehr persönliches. das geht meines erachtens bedeutend weiter als die aussage dieser frau. warum an ihr ein maßstab gelegt wird, welche fähigkeiten sie haben müsse, wenn sie medial präsent ist - und das wahrscheinlich kaum ein autist in der geforderten art und weise selbst schaffen kann: schutz vor möglichen fehlinterpretationen durch andere. scheinbar sind auch autisten untereinander nicht vor interpretationen gefeit.

warum wurde sich nicht über andere autisten beschwert?
ist es bei ihr zu einfach, weil sie scheinbar einfacher zu erreichen wäre als andere?
weiß sie von dem offenen brief in irgendeinem blog?

raun kaufman:
Zitat:
When parents tell us that their child was typical, received the vaccines, then developed autism soon after, we believe them. In everyday language we call these true stories. We do not believe in waiting 20 years for the right kind of statistics,

quelle

Zitat:
When I was diagnosed as autistic (and also severely mentally retarded, with a below-thirty IQ), my parents were given ample opportunity to treat the event as a tragedy. The whole world saw autism as hopeless and encouraged my parents to see it that way too. Sometimes it dawns on me how close I came to spending my life encapsulated inside my own head, lacking the tools to interact with the rest of the world.
[...]
It was a chance to make greatness out of something commonly viewed as unquestionably sad and tragic. This perspective, combined with a passionate relentlessness on the part of my parents, enabled me to undergo a spectacular metamorphosis and emerge from the shell of my autism without a trace of my former condition.
[...]
When I think about what my parents did with my autism, I see what a tremendous role we all play in each event that confronts us. It was not my recovery that made the event of my autism amazing and meaningful (though, needless to say, I'm very happy with the outcome); it was my parents' open-minded attitude in the face of my condition and their desire to find meaning in it regardless of how I turned out in the end. You don't have to "cure" your special child in order for his or her specialness to have meaning and value. The value lies not in "results" but in how you treat your situation and your child.
[...]
The word expert is the misnomer of the century. The pessimistic outlook that the "experts" show many parents need not be taken seriously.
[...]
Many, especially the "experts," might claim that I am advocating "false hope." "False hope"? What do they mean by "false hope"? How in the world can anyone put these two words together? When I think about my successful academic career, my fierce tennis matches, my love of Stephen King novels., the fantasy and science fiction short stories I've written, my admittance to the university of my choice, my best friends, my girlfriend, and my complete and ecstatic involvement with life, it occurs to me that each and every one of these is the product of "false hope." Nothing can ever be bad or wrong about hope. Not ever. I advocate giving yourself and those around you as large a dose of it as possible.

quelle


temple grandin:
Zitat:
In an ideal world the scientist should find a method to prevent the most severe forms of autism but allow the milder forms to survive.

quelle: thinking in pictures


Zitat:
I have been a big believer in making people aware of the sensory problems in autism, and these sensory problems are variable.
[...]
Research is starting to show that a child should be engaged at least 20 hours a week. I do not think it matters which program you choose as long as it keeps the child actively engaged with the therapist, teacher, or parent for at least 20 hours a week.
[...]
I can remember when I tuned out, I would just sit and rock and let sand go through my hands. I was able to shut the world out.
[...]
You have got to keep autistic children engaged with the world. You cannot let them tune out.


quelle

Zitat:
I was able to overcome autism because I had good teachers.


Zitat:
"hero" of 2010 TIME Magazine's list of 100 most influential people in the world,

quelle

axel brauns:
Zitat:
Axel Brauns, 41, hat Glück gehabt. Er ist Autist, "aber nicht autistisch", wie er heute selbst sagt. Seine Intelligenz half ihm dabei, den Schlüssel zu seiner Gefängnistür zu finden.

quelle


susanne schäfer, die scheinbar keine autismus-diagnose mehr hat:
Zitat:
Autismus ist keine Charaktereigenschaft, sondern etwas, das (wie andere Behinderungen auch) einem oft die Chancen in der 'Normalwelt' und die eigene Lebensqualität sehr einschränkt, egal, wie gut oder schlecht man seine Schwächen durch 'Spezialfähigkeiten' kompensiert.

In diesem Sinne möchte ich darauf hinweisen, dass eine Diagnose sehr wohl wichtig ist (Erklärung, Verständnis usw.), aber auch Gefahren in sich bergen kann:

Nämlich dann, wenn sie (vor allem aufgrund der Prognose: da ist eh nichts dran zu machen!) dazu führt, die Hände däumchendrehend in den Schoß zu legen und zum 'Berufsautisten' zu werden, gar stolz auf die 'interessante Persönlichkeit' zu sein und bei jeder Gelegenheit auf seinem 'Autismus' herumzugeigen ... und gar nichts ändern zu wollen.

[...]
Im Nachhinein muss ich erkennen, auch mich hat die 'Autismus-Diagnose' jahrelang daran gehindert, weiter nach Möglichkeiten zu suchen.
[...]
Bitte gebt nicht so leicht auf; Entwicklung kann immer möglich sein! Nur eines ist sicher: Entwicklung ist nicht möglich, wenn man sie gar nicht will.

quelle

raun kaufman betreibt das behandlungszentrum, wo nach dem son-rise-programm gearbeitet wird, das ihn zum "normalen menschen" machte.

temple grandin wird von ABA-vertretern zitiert, da sie damals wohl ABA erhielt - und das absolut befürwortet. ferner scheint sie kurioser weise es zu unterstützen, dass "schwer betroffene" autisten - wie sie selbst in der kindheit bezeichnet wurde - praktisch verhindert werden sollten geboren zu werden.

axel brauns, susanne schäfer und nicole schuster als die "vorzeige-autisten" bei autismus deutschland, als positivbeispiele/versprechungen, dass sich alle interventionen lohnen werden. oder (ersterer und letztere) auch als "berufsautisten" bei diversen aspies verschrien - und jetzt so ein "aufstand".

daniel tammet schien auch einmal geäußert zu haben, dass er sich nicht als autistisch betrachtet, scheint jedoch gelöscht zu sein.

persönlich finde ich es besser, die leute betreiben keine "augenwischerei", stehen zu ihren äußerungen und jeder weiß, woran er konkret ist. den ganzen uninformierten und den scheinbar wenig denkleistung nutzenden wird das denken nicht abgenommen werden können. recht gemacht werden kann es scheinbar auch niemandem. und (fehl)interpreationen von äußerungen wird es wahrscheinlich auch immer geben.

birger sellin:
Zitat:
ich sehne mich so ein normales erleben zu haben / eine persönliche willenserklärung gebe ich hiermit ab / also es ist aus autismus / ich erkläre meinen rücktritt

quelle
02.03.11, 16:42:58

Lupa

@azrael
Danke für deinen differenzierten Beitrag - und für die vielen relativierenden Zitate von andern Autisten.


02.03.11, 22:35:15

Herr Meier

Man muß ja bekanntlich unterscheiden zwischen autismusbedingten Eigenarten und solchen Verhaltensweisen, die als Reaktion auf unangemessenes Verhalten des Umfelds entstanden sind. Das ist wohl nicht immer ganz einfach und mir kommt es manchmal so vor, als ob selbst die "Vorzeige"-Autisten damit gelegentlich Schwierigkeiten haben.
Leute wie Nicole Schuster und die anderen, die schon erwähnt wurden, haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und sind anerkannt für das, was sie tun. Natürlich erleben sie jetzt kaum noch solche Situationen, in denen sie sich angegriffen oder "in die Enge getrieben" fühlen und die z.B. zu völligem Rückzug oder Störungen im Sozialverhalten führen können.
Hier besteht dann wohl die Gefahr, daß schon mal Ursache und Wirkung verwechselt werden.
06.03.11, 22:53:46

Hans

Ich bin autistisch und werde es immer bleiben.
Aber ich habe gelernt, mich darauf ein zu stellen
und somit für meine Umgebung akzeptabler zu sein.
Mir wollen jetzt sogar manche Leute den Autismus absprechen.
Ich habe "meinen" Autismus gut "integrieren" können
und bin damit weitgehensd akzeptiert worden.

Wenn man alles ein Bißchen verdreht, könnte man jetzt auch sagen,
ich wäre geheilt.

Dem ist aber nicht so!

Wenn ich auch viel über Erlerntes ausgleichen kann,
hindert mich noch Vieles daran,
endlich so zu sein.
Ich habe die Gesellschaft um mich herum noch nicht komplett "geheilt".
06.03.11, 23:21:24

mockingbird

Hab mich mit keinem von den genannten Leuten beschäftigt, aber es scheint
mir so, als hätten sie nicht mal angefangen, ihre Geschenke auszupacken.
Wenn jemand versuchen würde, mir den Autismus wegzunehmen - Klauen,
Stachel und Reißzähne würden mir wachsen; und Gift würd ich verspritzen.

Schade allerdings, daß ausgerechnet diejenigen sich ent-autisten wollen, die in
der Öffentlichkeit stehen und damit ein echt schräges Bild in der öffentlichen Meinung
kolportieren. Und bei manchen Aussagen stehen mir echt alle Haare zu Berge.
08.03.11, 02:12:14

drvaust

Nicole Schuster hatte sich schon längere Zeit verändert.
Sie war mir mal sympathisch, aber jetzt erkenne ich sie nicht mehr.
Sie trat öffentlich mit Sozialtraining auf, veränderte sich, wurde künstlich.
Da ist das jetzt eine logische Fortsetzung dieser Entwicklung.
Arbeitet sie für Autismus Deutschland e.V.? Zumindest hatte sie Vorträge in dem Rahmen gehalten.
Vielleicht gefällt sie sich in dieser Rolle. Evtl. wurde sie als 'Vorzeige-Geheilte' aufgebaut.
Aber das am Anfang dieses Themas verlinkte Zitat, daß auch auf ihrer Website steht,
halte ich für mißraten. Vermutlich meint sie das anders. Sie tritt noch als Autistin auf.

24.07.12, 22:51:25

drvaust

geändert von: drvaust - 24.07.12, 23:20:14

Wenn sich mal jemand über Nicole Schuster informieren will,
hier ihre Website: http://www.nicole-schuster.de/

Dazu 'Offener Brief an Nicole Schuster'.
Anderes Thema dazu 'Ich bin Autist aber nicht autistisch'.

 
Powered by: phpMyForum 4.1.55 © Christoph Roeder