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Von Autisten lernen heisst lieben lernen. Ehrlich, nüchtern, authentisch, verrufen, fair, sachorientiert: autistisch.
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Autor Nachricht
Löwenmama
(Autistenbereich)

Als ich Kind war sind wir oft mit dem Bus gefahren.Im Sommer fand ich es besonders schlimm,wegen der vielen Gerüche und wenn sich fremde Leute in meine Nähe gesetzt haben...auch habe ich die Sitzbezüge immer als ganz schlimm empfunden,das hat mich geekelt und der Stoff hat mir Gänsehaut gemacht...auch wollte ich nie die Haltestangen anfassen,die alle Leute vor mir angefasst haben...wenn ich auf Höhe der Reifen sitzen musste,war es mir jedes mal schlecht...

Die Hoffnung ist der Regenbogen
über den herabstürzenden Bach
des Lebens.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
19.02.09, 21:14:38
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sandra weiss
(Standard)

Ich hatte nicht erwartet das Derians Abneigung gegen Bus und Bahn etwas mit dem Autismus zu tun hat.Ich dacht wirklich,bevor ihr mir eure empfindungen dazu schriebt,das es seine ganz eigene Marotte wäre.Jetzt leuchtet es mir ein.Als er noch kein Jahr alt war und er da schon so schwierigkeiten damit hatte,folgerte ich daraus bloß,das es neu und ungewohnt für ihn wäre.Gut das ich nochmal bei euch nachfragte,denn wenn ich das nicht gewußt hätte,hätte ich ihn nie verstanden und möglicherweise vehement versucht ihn daran zu gewöhnen und damit möglicherweise großen Schaden angerichtet.
19.02.09, 22:11:13
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drvaust
(Autistenbereich)

Zum Kindergarten: Das ist ja so ähnlich wie Schule, eine Vorstufe. Ich hatte mich mal mit anderen Autisten über Schulpflicht unterhalten. Da kamen wir zu dem Ergebnis, daß wir ohne die Schule, trotz aller Probleme, sozial nicht so weit gekommen wären (Training). Ich denke, solange es nicht zu viel wird und nicht als Zwang, möglichst alles Übliche mitmachen lassen, das ist auch soziales Training. Die Grenze zur Überforderung darf aber nicht überschritten werden.

Zitat von sandra weiss:
Also gibt es nur fest gelegte unterschiede zwischen zb.Kanner und Asperger und anderen Arten? Und was ist bitte HFA,LFA, und MFA? Ich hab das aus dem Lexikon,verstehe auch die bedeutung,aber hängt das auch mit den verschiedenen Arten des Autismus zusammen,oder von jeder einzelnen Person? Und wieviele Arten,sagt man das so? gibt es eigentlich?Ich habe dazu schon hier was gesucht aber nichts gefunden.
Autismus ist eine bestimmte Andersartigkeit, ein Spektrum von verschiedenen Merkmalen. Dafür wurden verschiedene Einteilungen (Schubladen) festgelegt. Da gibt es den frühkindlichen Autismus, Kanner-Autismus, das Asperger-Syndrom und die atypischen Autisten, die nicht in eine festgelegte Schublade passen. Dazwischen gibt es keine festen Grenzen.
MFA kenne ich nicht. HFA und LFA werden nach ihrem Leistungs- bzw. Funktions-Vermögen unterschieden, aber das ist auch nicht exakt, eine willkürliche Einteilung. Wozu gehört ein Autist, der eine starke Inselbegabung hat und auf anderen Gebieten schlecht zurechtkommt. Mal als vereinfachtes Beispiel: Ein HFA studiert Psychologie als Selbststudium, um die gesellschaftlichen Regeln zu verstehen. Ein LFA kann das nicht und muß anders irgendwie klar kommen.

Zitat von sandra weiss:
Ach so,seit 2 tagen schleift Derian uns immer ...
Heißt das ,das er uns an seiner Freude daran,teilhaben lassen will? Oder irre ich mich da? ...
Ich freu mich darüber,aber was soll ich denn jetzt davon halten?
Er kommuniziert, in seiner eigenen Art. Das ist gut. Irgendwann wird er erkennen, daß das mit Sprache besser geht.
20.02.09, 00:19:06
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sandra weiss
(Standard)

@ drvaust
gut,dann werde ich es schon im Sommer mit dem Kiga versuchen.
Auch auf die Gefahr das du/ihr mich für dumm haltet,aber was ist eine Inselbegabung?
20.02.09, 08:18:46
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Hans
(Autistenbereich)

HFA =High Functioning Autism
LFA =Low Functioning Autism
MFA habe ich auch noch nicht gehört.
Inselbegabung ist ja fast schon ein diskriminierendes Wort,
weil es so darstellt als ob es nur eine einzige "Behabung" gibt,
während alles andere an dem Menschen "minder- ..." ist.
Ich würde das eher als Begabungsschwerpunkt bezeichnen.

Ich habe meinen Begabungsschwerpunkt so ausgebaut,
das man mir aufgrund der abwesenden Erscheinung dabei
wohl auch Symptome von LFA unterschieben konnte.

Ich habe diese Unterscheidungen am Anfang meiner Erkenntnisse so angenommen,
bin aber inzwischen zu der Überzeugung gekommen,
wir haben alle den selben Autismus, jeder Einzelne nur eine andere Geschichte.
20.02.09, 09:53:59
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sandra weiss
(Standard)

@ Hans,Inselbegabung
ich versteh das immer noch nicht.Kannst du das bitte noch mal versuchen?
20.02.09, 11:01:56
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Hans
(Autistenbereich)

Wie Du Dir den Meeresgrund mit einer Insel vorstellst,
soll das in etwa Beschreiben, daß viele Kenntnisse unter der Meeresoberfläche/unter dem Durchschnitt sind,
aber eine Begabung, wie das auswendig Lernen eines Telefonbuches mit einmal lesen, ist weit über dem Durchschnitt.
Eben eine Insel die aus der Meeresoberfläche ragt.

Ich halte das eher für eine menschenunwürdige Betrachtung,
das setzt eine Allgemeingültige "Nullinie" wie den "Durchschnitt" voraus.

Den "Durchschnitt" gibt es doch eigentlich gar nicht , oder?
20.02.09, 11:12:43
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sandra weiss
(Standard)

@ Hans
jetzt verstehe ich das.Danke dir.Wenn man jeden Meschen als Individuum sieht und nimmt,sehe ich das genau so.
20.02.09, 12:14:09
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat von sandra weiss:
Es gibt gar keine festgelegten stufen betreffend der Stärke des Autismuses.Ich habe wirklich gedacht das es eine gibt.

Manche Stellen / Ärzte (nach meiner Einschätzung eine deutliche Minderzahl) verwenden verschiedene Tests / Checklisten zur Ermittlung solche Zahlenwerte. Aber die Einstufung hängt dann wieder vom Testdesign aus, teilweise auch wieder von subjektiven Einschätzungen des Arztes, die er dann lediglich als Zahl umformuliert. Allgemein ist ja auch zu bedenken, daß Autisten sehr empfindsam auf eine ungeeignete Umgebung reagieren können. Somit kann der Unterschied zwischen "LFA" und "HFA" durchaus auch rein in den Lebensumständen liegen, die im einen Fall schlechter und im anderen besser wären.
Zitat:
Und was ist bitte HFA,LFA, und MFA?

Dazu wurde ja schon geantwortet, ich ergänze das noch etwas. "LFA", "MFA" (mittel"funktionaler" Autismus, ein selten gebräuchlicher Begriff) und "HFA" bezeichnen den aktuellen Zustand eines Autisten aus dem heute oft gebräuchlichen Werteverständnis heraus, die Unterscheidung und Kanner, Asperger, atypisch bezieht sich hingegen rein auf das was in der frühen Kindheit war, weswegen ein Asperger, ein atypischer und ein Kanner ohne Akteneinsicht auch von keinem Arzt in diesem Sinne unterschieden werden könnten.
Zitat:
Er zeigt dann lachend mit unseren Fingern auf diese.Heißt das ,das er uns an seiner Freude daran,teilhaben lassen will?

Kann gut sein, daß das so ist.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
20.02.09, 15:24:45
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