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Diskussionen abbrechen - Zeichen von Stärke oder Schwäche?

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01.01.16, 14:26:54

55555

Es gibt ja seit einiger Zeit die recht verbreitete Ansicht, es sei ein Zeichen von Stärke sich auf bestimmte Diskussionen nicht einzulassen. Was meint ihr?
01.01.16, 22:17:33

Bicycle

Es kommt denke ich auf den Hintergrund an.

Ich höre Diskussionen auf, wenn mir die Diskussion zu anstrengend wird, wenn sie mir langweilig erscheint, ich keine Antworten auf die Gegenfragen weiß oder sie in eine Richtung verläuft, die ich bereits kenne oder in eine persönliche Ebene wechselt die nichts zur Sache tut. Oder ich einfach nur an einem Meinungsaustausch aber nicht an einer Diskussion über diese Meinungen interessiert bin und folglich nur "zufällig" in eine Diskussion geraten bin. Oder die Meinungen soweit voneinander entfernt sind, dass ich während der Diskussion merke, dass ein reiner Meinungsaustausch besser wäre, als eine Diskussion darüber.
Wahrscheinlich gibt es noch andere Gründe, die mir spontan aber nicht einfallen.
Wenn mir der genaue Hintergrund bekannt ist, teile ich ihn mit.
Z.B. dass ich die Fragen derzeit nicht beantworten kann, weil ich darüber noch nicht nachgedacht habe oder mich damit noch nicht ausreichend beschäftigt habe.

All diese Gründe würde ich nicht als Schwäche bezeichnen, insbesondere, wenn ich sie begründe.

Als Schwäche würde ich bezeichnen, wenn mir die Argumente ausgehen würden, ich womöglich merken würde dass der andere recht haben könnte, ich merke dass ich meine eigene Meinung zu diesen Thema selbst noch nicht hinterfragt habe und das jeweils nicht zugebe, sondern die Diskussion womöglich mit Ausreden beende. Oder auf eine persönliche Ebene wechsel.
Ich habe eine Zeitlang so regelmäßig Diskussionen beendet, weil mir meine Argumente ausgingen und ich das nicht zugeben wollte.

Es kommt also denke ich mehr auf die Begründung an, warum man eine Diskussion beendet, als auf die Abbrechung der Diskussion selbst, ob man es als Stärke oder Schwäche bezeichnen könnte.
Jede Begründung, die eine Ausrede darstellt und nicht die Wahrheit, wäre denke ich eine Schwäche.
01.01.16, 23:04:14

55555

Vermutlich wird es auch hier wieder schwierig Meinungen von NA dazu zu bekommen.

Aus dem, was du ausführst kann man die Frage ableiten, wieso jemand überhaupt diskutieren sollte. Meiner Meinung hat jemand, der eine bestimmte Ansicht vertritt eine gewisse Bringschuld diese Meinung auch in Diskussionen zu begründen.

Dem entgegen gibt es ein Phänomen bestimmte Diskussionen abzublocken. Das funktioniert wohl so ähnlich wie in der Politik, daß man meint erst reagieren zu müssen, wenn man sich dazu genötigt fühlt weil der Druck zu groß wird. Ich glaube diese Sitte mag auf manche wirken wie Stärke, ist tatsächlich aber eine Scheinstärke, die gesellschaftliche Zerrüttung erzeugt.
01.01.16, 23:38:58

schuschu

ist es überhaupt eine frage der schwäche oder stärke? wichtig ist dich, dass derjenige selbst , der die diskussion abbricht für sich reflektiert und reflektieren kann warum er es abgebrochen hat...da kanns soviel gründe haben......für mich oft dann , wenn ich merke , der andere will mich von etwas überzeugen , obwohl ich eine andere ansicht dazu habe ....einen anderen eindruck....wobei ich nicht drazf beharre , dass mein eindruck der richtige ist...jetzt ist er es einfach ....wenn diskussionen laut und gemein werden breche ich ab.....und wenn ich merke dass es sich im kreis dreht....wenn ich zwar zu etwas eine meinung habe, aber mir die argumente aufgrund mir fehlender worte und formulierungskunst, fehlen, dann teile ich dies so mit oder bitte um bedenkzeit um eine passende fpormulierung zu finden. oft ist es so... dass ich in mir alles klar habe aber es keine worte findet mit denen ich es benennen kann. ......ich verlasse die diskussion aber teile meine beweggründe dafür mit..soweit mein gegenüber das auch zulässt dass ich es begründen kann, .......oder weil etwas anderes dringend meine aufmerksamkeit fordert und ich es dann vergesse die diskussion weiterzuführen...aber das hat wohl hormonelle gründe bei mir
02.01.16, 00:18:10

55555

Zitat von schuschu:
ist es überhaupt eine frage der schwäche oder stärke?

Oft wird es ja als Kampf gesehen mit Gewinner und Verlierer. Wer es so betrachtet, will in der Regel auch der Gewinner sein. Das spielt hier eine Rolle.

Darüber hinaus ist eine abgebrochene Diskussion meistens auch gescheiterte Kommunikation und da Kommunikation eine wichtige gesellschaftliche Funktion einnimmt, kann die Frage so auch auf der Ebene eine Rolle spielen.

Zur Zeit kann man ja verstärkt beobachten, daß manche Meinungsparteien (wenn man das teils überhaupt so bezeichnen kann) gar nicht mehr über bestimmte Themen diskutieren wollen, weil sie massiv aufgehetzt, voller Haß sind und auf irgendeine Weise davon ausgehen, daß man für andere Positionen als die eigene ja gar keine vertretbaren Gründe haben könne. Im Grunde sehe ich da ja den Faschismus schon wieder in voller Blüte (auch wenn sich diese Leute gerne falsch als Gegner des Faschismus darstellen).
02.01.16, 03:48:56

Bicycle

Die Worte "Schwäche" und "Stärke" verwende ich in diesen Zusammenhang in meinem Sprachgebrauch nicht. Ich kann mit den Worten an sich wenig anfangen. Deshalb verwende ich die Worte hier auch eher theoretisch, ich werde sie weiterhin nicht in meinen regelmäßigen Sprachgebrauch so verwenden.
Wenn ich sie überhaupt regelmäßig verwenden würde, dann auch nicht als "menschliche Schwäche" oder "menschliche Stärke" sondern eher als Schwäche oder Stärke für die Tätigkeit. Vielleicht kapiert man es im nächsten Absatz. Jedenfalls würde ich sie, wenn überhaupt, oberflächlich verwenden.

Wenn ein Politiker etwas behauptet, auf Nachfragen diese Meinung aber nicht begründen kann worauf sie basiert, dann würde ich das als Schwäche(für seinen Beruf) bezeichnen, wenn das nicht offen zugegeben wird. Gerade jemand, der durchaus Entscheidungen für eine Mehrheit trifft, sollte schon seine Meinung begründen können. Erst recht wenn man weiß, wie teilweise die Meinungen bei Politikern zustande kommen. Siehe wirtschaftliche Interessen.

Zitat von schuschu:
ist es überhaupt eine frage der schwäche oder stärke? wichtig ist dich, dass derjenige selbst , der die diskussion abbricht für sich reflektiert und reflektieren kann warum er es abgebrochen hat
Ich bin generell der Meinung, dass man seine eigene Handlungen nicht anderen begründen muss. Deshalb finde ich auch einen "schweigenden Abgang" aus einer Diskussion, also ohne irgendeiner Begründung, nicht weiter schlimm. Außer es geht um bestimmte Themen und es wird als "Instrument" missbraucht, damit man nie seine Meinung begründen muss. Das betrifft vorallem Themen, wenn eine Meinung eine Entscheidung mit sich bringt, die auch andere betrifft.

Zitat:
Zu einem guten Diskussionsstil (siehe auch Streitkultur) gehört neben wechselseitigem Respekt unter anderem, gegenteilige Argumente und Meinungen zuzulassen und genau zu prüfen, anstatt diese vorschnell zu verwerfen. Ein guter Diskutant hört zu, lässt ausreden und ist konzentriert genug, um auf das vom Gegenüber Gesagte einzugehen und seine eigenen Argumente sachlich darzustellen. Im Idealfall ist er gelassen und höflich. Oftmals ist aber Gegenteiliges zu beobachten, zum Beispiel in der Politik (siehe auch Debatte).
Quelle: Diskussion - Wikipedia

Die Frage wäre insofern, ob das, was du meinst, gar keine abgebrochene Diskussion ist, sondern eher ein abgebrochener Versuch ist, seine eigene Meinung jemand anderen aufzudrängen.
02.01.16, 09:41:01

schuschu

ZITAT:
Zur Zeit kann man ja verstärkt beobachten, daß manche Meinungsparteien (wenn man das teils überhaupt so bezeichnen kann) gar nicht mehr über bestimmte Themen diskutieren wollen, weil sie massiv aufgehetzt, voller Haß sind und auf irgendeine Weise davon ausgehen, daß man für andere Positionen als die eigene ja gar keine vertretbaren Gründe haben könne. Im Grunde sehe ich da ja den Faschismus schon wieder in voller Blüte (auch wenn sich diese Leute gerne falsch als Gegner des Faschismus darstellen)."

kann durchaus sein , dass scheinbar bewusst auch geschwiegen wird also nicht diskutiert werden will drüber aus oben genannten gründen....

für mich steht da dennoch dahinter, sich wirklich bewusst zu beobachten oder eben nicht... etas mechanisch ablaufen zu lassen ..oder im göttlichen bewusstsein mein handeln und reden oder nichtreden zu beobachten
02.01.16, 10:32:20

Sonnenauge

Ich unterstelle im Zusammenhang mit dem Thema einfach mal, dass von einer 'abgebrochenen Diskussion' die Rede ist, wenn das Gegenüber mit dem Abbrechen nicht einverstanden war.

Wenn eine Debatte drauf und dran ist zu entstehen, die ich schon oft führte und dessen Ausgang mir bekannt ist und mich die Meinung des anderen nicht interessiert, unterbinde ich sie.

Wenn die Debatte auf einem Thema basiert, bei dem ich weiß, dass ich im direkten Zusammenhang mit dem Gegenüber über kurz oder lang sehr, sehr wütend werde, unterbinde ich sie. Da solche Diskussionen bei mir oft zu hohem Blutdruck und temporären Schlafproblemen führen. Ich überlege mir dann meist noch über Stunden, was ich hätte sagen können, statt dem, was ich eigentlich gesagt habe.

Begegne ich also einer fanatischen und/oder unlogisch argumentierenden Person, so sehe ich keinen Sinn darin mit ihm/ihr zu diskutieren. Völlig unabhängig davon worum es geht. Das Resultat wäre in jedem Fall unbefriedigend.

Ich denke daher, dass ob ich Diskussionen abbreche sowohl vom Thema, als auch von meinem Gegenüber abhängig ist. Es ist in erster Linie ja meine Entscheidung, worauf ich mich einlassen möchte. Das hat nichts mit Stärke zu tun. Eher mit der Einsicht, was man selber in der Lage ist für sich zufriedenstellend durchzuziehen.. oder eben nicht.
02.01.16, 15:51:32

55555

Zitat von Sonnenauge:
Ich unterstelle im Zusammenhang mit dem Thema einfach mal, dass von einer 'abgebrochenen Diskussion' die Rede ist, wenn das Gegenüber mit dem Abbrechen nicht einverstanden war.

Beziehungsweise die Nichtzulassung einer Diskussion, indem man sich nicht auf einen Austausch von Argumenten einläßt.
Zitat:
Wenn eine Debatte drauf und dran ist zu entstehen, die ich schon oft führte und dessen Ausgang mir bekannt ist

Kann einem der Ausgang einer Debatte bekannt sein, bevor man sie führte? Man kann vermuten, daß dem so wäre, weil man in früheren Debatten zu dem Thema mit einem solchen Eindruck zurückblieb. In Internet könnte man sich in einem solchen Fall behelfen, indem man eine Basisdarstellung verlinkt, die der eigenen Auffassung nahekommt.
Zitat:
und mich die Meinung des anderen nicht interessiert

Themen wie "wo steht der Mixer in meiner Küche am besten" dürften andere auch nicht unbedingt etwas angehen. Bei Themen mit gesellschaftlicher Relevanz ist das schon schwieriger, etwa es um eine Meinung geht, die das Verhalten einer Person z.B. gegenüber Mitmenschen beeinflusst (durch aktives Handeln oder Nichthandeln). Solche Haltungen kann man als ausgeübte Gewalt verstehen, daraus eine ethische Begründungs-, Rechtfertigungspflicht ableiten.
Zitat:
Wenn die Debatte auf einem Thema basiert, bei dem ich weiß, dass ich im direkten Zusammenhang mit dem Gegenüber über kurz oder lang sehr, sehr wütend werde, unterbinde ich sie. Da solche Diskussionen bei mir oft zu hohem Blutdruck und temporären Schlafproblemen führen. Ich überlege mir dann meist noch über Stunden, was ich hätte sagen können, statt dem, was ich eigentlich gesagt habe.

Ja.
02.01.16, 21:35:31

towerowitch

Zitat von 55555:
Vermutlich wird es auch hier wieder schwierig Meinungen von NA dazu zu bekommen.

Aus dem, was du ausführst kann man die Frage ableiten, wieso jemand überhaupt diskutieren sollte. Meiner Meinung hat jemand, der eine bestimmte Ansicht vertritt eine gewisse Bringschuld diese Meinung auch in Diskussionen zu begründen.


Hmm,

dann ist es wohl ein "autistisches" Qualitätszeichen, jemandem, der hier keine 2 Beiträge verfasst hat, aber NA ist, direkt mit einem KZ-Wächter zu vergleichen? Bis echt ein Hecht, kein Wunder, dass hier so wenig Trafic läuft...
02.01.16, 23:45:23

55555

Ahja.
03.01.16, 17:47:12

Fundevogel

Ich erlebe mich im Austausch von Meinungen als besonders lebendig, kann Meinungen meist gut bestehen lassen und beziehe sie nicht auf mich persönlich.

Diskussionen beende ich, wenn mir der Faden verloren ging und wenn ich erkenne, dass der Austausch von Meinungen beim Gegenüber zu Triggern oder eher hysterischen Reaktionen führt.
Wenn mir der Faden verloren ging, sage ich es, im anderen Falle lenke ich auf ein niederschwelliges Thema um, um meinen Gesprächspartner von einer Art existenzieller Bedrohung zu erlösen.
 
 
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