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Autor Nachricht
Isabella
(Angehörigenbereich)

Mein Sohn (4 1/2 Jahre alt), hat so ca. ein- bis zweimal im Monat einen Zyklus von etwa drei Tagen, an denen er sehr wackelt. Die Beinchen scheinen keinen Tonus zu haben; er torkelt, kippt zur Seite, er verkrampft sich, redet keine ganzen Sätze, läßt alle Füllwörter weg- hauptsächlich bringt er Wortfetzen und Wortneubildungen hervor, die in keinem uns begreiflichen Zusammenhang stehen. Speichel fließt aus dem Mund. Er versucht, die Gabel in seinen Hals zu stechen, fabuliert davon, Mamis und Papas Kopf abzureisen und ihn aufzuessen ... .
Heute Abend erzählte er mir, daß er den Betonmischer zweimal sieht und mich viermal. Ich fragte ihn, ob das jeden Tag so sei. Seine Antwort: "Nein".

Kennt das jemand? Kann es sein, daß ein autistischer Mensch hin und wieder doppelt sieht? Wenn ja, gibt es dafür erklärbare Auslöser?

Daß mein Sohn etwas doppelt, dreifach, vierfach sieht, ist mir jetzt neu. Es würde so einiges in seinem Verhalten erklären. Ich nehme ihn gewiß ernst, weiß jedoch nicht, wie ich das zu deuten habe.
Also mit anderen Worten: Diese regelmässigen Wackelexzesse nebst sprachlicher Störungen habe ich stets so interpretiert, daß er entweder einen Entwicklungsschub macht, oder er ein zurückliegendes Ereignis zu verarbeiten oder nicht genug geschlafen hat, ... .
Aber diese Erklärung mit den Doppelbildern ist jetzt ein ganz anderer Aspekt.
Kann das wirklich sein?
07.09.09, 02:26:22
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drvaust
(stillgelegt)

Das ist mir speziell bei Autisten unbekannt.
Bei Überlastung können viele Symptome auftreten und Autisten sind öfter überlastet,
aber das ist, meines Wissens, nicht typisch für Autismus.

Das würde ich mal untersuchen lassen, das könnte eine andere Ursache haben.

07.09.09, 03:40:09
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Doppelbilder und wackelige Beine können auch Muskelschwund sein. Mit solchen scheinbar regelmäßigen Phasen kann ich jetzt ansonsten erstmal wenig anfangen in Bezug auf Autismus.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
07.09.09, 11:36:22
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Mutantin
(Standard)

Bin neu hier und wollte eigentlich nur stöbern, da bin ich hier rein gestolpert.

Bitte mach einen Arztbesuch und lass das mal abklären. So kann sich auch eine Schläfenlappenepilepsie äußern.

Nicht erschrecken, das klingt erst mal schlimmer als es ist - es ist aber sehr gut behandelbar, wenn man es früh erkennt.
17.09.09, 23:38:05
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haggard
(Autistenbereich)

wie äußert sich das äußerlich?
welche vorläufer bestehen dazu, weißt du das?
17.09.09, 23:41:41
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Mutantin
(Standard)

geändert von: Mutantin - 18.09.09, 00:23:45

Meinst du mich?

Nun, diese Form der Epilepsie gibt es mehrere Möglichkeiten von Anfällen.

Einmal kann der motorische Bereich betroffen sein, das führt dann zu Krämpfen, auch nur von Teilkörperteilen (nur ein Arm oder nur ein Bein) oder auch nur kleine Muskelzuckungen.

Dann gibt es Anfälle, die den sensorischen Bereich betreffen. Dazu können Halluzinationen gehören, Doppelbilder, Kribbeln in den Fingern oder den Füßen.

Autonome Symptome gibt es auch, die nicht steuerbare Körperfunktionen betreffen, Magen, Darm u. Ä. Das kann dann plötzliches Herzklopfen sein, komische Gefühle im Bauch und Ähnliches.

Und dann gibt es noch die psychischen Symptome, bei einem Anfall ist der Betroffene dann wie in Trance oder hat sehr häufig Dejá-Vues.

Die Schläfenlappenepilepsie geht vor allem auf akustische, visuelle und psychische Eindrücke.

Ich würde da einfach mal zu einem Arzt gehen und mal das ganze Programm machen, EEK, Kernspin und Anderes. Das ist zwar erst mal stressig für das Kind, aber auf lange Sicht auf jeden Fall besser für ihn.

Edit: Das Taumeln könnte durchaus eine Vorankündigung sein. Je nach zeitlicher Reihenfolge, das müsste man mal schauen.
Bei meinem Onkel verkrampfte sich immer der Kiefer, so dass er nicht mehr sprechen konnte. Dann klapperte er mehrere Symptome nach und nach ab und dann war es auch wieder gut. Selten ist die Epilepsie so heftig, wie man es im Fernsehen sieht.
18.09.09, 00:21:21
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haggard
(Autistenbereich)

@Mutantin:
hatte dich gemeint - vergessen das zu schreiben.

und wie passt das deiner meinung nach mit den äußerungen zusammen bezüglich köpfe essen zu wollen?

weißt du zufällig auch bei welcher konstellation ein 24-h-EEG durchgeführt wird anstelle einer "standard"ableitung?
frage deshalb, weil meine EEGs teilweise zwar auffällig sind, sich daraus jedoch keine behandlungsrelevanz seitens der ärzte ergibt. nach v.a. hirntumor, TIA, migräne sind sie mittlerweile bei frontalhirnsyndrom (unbegründet) und partieller ohnmacht (ich weiß, dass ich "zeitrisse" habe) angelangt.

@Isabella:
bezüglich frontalhirnsyndrom habe ich mir woanders erklären lassen, dass sich die menschen während solcher phasen merkwürdig verhalten und sie das teilweise auch selbst erleben/wissen.
was andere bei mir für generalisierte anfälle halten, läuft wie folgt ab:
1. zunehmender gesichtsfeldausfall. wenn ich dabei z.b. meine hände nicht mehr sehe, sie jedoch willentlich bewege, "spüre" ich sie dabei nicht mehr. außerhalb der fläche, die ich dann noch erkennen kann, handele ich wie blind und muss meinen kopf ständig hin und her drehen, damit ich wenigstens das gefühl habe, vielleicht doch noch etwas zu sehen. ist währenddessen zwar alles hübsch bunt, aber ich kann nichts erkennen.
2. beginnt immer die linke körperhälfte gefühllos zu werden. kann dann mit der betreffenden hand nichts festhalten, nicht gehen - es sei denn, ich stütze ich mich überall ab oder schubse mich von wand zu wand, was garantiert eigenartig aussieht.
3. später überzieht ein kribbeln fast den gesamten körper und
4. bin ich dann totmüde. wenn man mich schlafen lässt/ich mich nicht zwinge mich wach zu halten, schlafe ich von morgens bis abends durch. halte ich mich wach, ist geistig nichts mit mir anzufangen. muss ich sprechen, bin ich extrem verlangsamt, habe massive wortfindungsstörungen und weil die leute zunächst nachfragen und dann abwinken, gehe ich davon aus, dass nicht verständlich ist, was ich äußere, obwohl ich mir dabei die größte mühe gebe. in der regel tritt das bei mir nach dem aufwachen auf.
18.09.09, 03:47:15
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Mutantin
(Standard)

geändert von: Mutantin - 18.09.09, 09:53:00

@ Azrael: Bei frühkindlicher Epilepsie sind solche Äußerungen nicht unbedingt selten, weil während eines Anfalls oft auch Teile des Sprachzentrums betroffen sind. Das kann dann in Wut oder Angst zu solchen Äußerungen führen. Da können dann auch wüste Beschimpfungen und Drohungen kommen.
Eine ähnliche Symptomatik weißt übrigens Tourette auf, aber das kommt nicht in Phasen, sondern ist immer da und legt sich nur, wenn der Betreffende hochkonzentriert ist.

Es gibt einen Vorabtest, der, wenn er positiv anschlägt, zu einem Langzeit-EEK führt. Dabei wird versucht, so einen Anfall direkt auszulösen. Interessant wäre auch generell mal, was nachts in so einer Phase passiert. Da kann ein Schlaflabor auch sehr aufschlussreich sein.

Was deine partielle Ohnmacht angeht: Hast du mal eine Kipptischuntersuchung machen lassen? Und wurdest du schon mal in Richtung Narkolepsie untersucht?
18.09.09, 09:51:55
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arlette
(Autistenbereich)

ich würds neurologisch abklären lassen. auch wegen eventuellen epilepsieabklärungen. als kind habe ich allerdings oft solche "spiele" mit weit/nah-fokussieren und schielen gemacht, vielleicht ist das auch eine möglichkeit.
18.09.09, 17:49:57
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Isabella
(Angehörigenbereich)

Mutantin und azrael:

Schläfenlappenepilepsie und Frontalhirnsyndrom sind Begriffe, die ich zum erstem Mal höre. Nachdem, was Ihr schreibt, werde ich mich unverzüglich darum kümmern. Als Thaddäus zwei Jahre alt war, hat er mehrere EEG´s durchlaufen, auch ein Schlafentzugs- EEG; ferner gab es auch zwei mal eine Computertomographie und auch eine Magnetresonanzspektroskopie vom Köpfchen. Auffälligkeiten/ Anomalien wurden nie gefunden. Eine Ärztin sagte mir, daß jede Untersuchung nur den Zustand der jeweiligen 10 min. wieder spiegelt. Schwierig.
Azrael, Deine Beschreibung könnte genauso gut zutreffen, wie die von Dir, Mutantin. Bei beiden gibt es viele Ähnlichkeiten zu den merkmalen bei Thaddäus.
18.09.09, 23:01:35
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haggard
(Autistenbereich)

mir sagten ärzte deshalb wohl auch, dass ich sofort vorstellig werden sollte, wenn "das" wieder einmal auftritt. da das jedoch in der regel frühmorgens auftritt, haben sämtliche arztpraxen geschlossen. bleibt auch die hürde der sprechstundenhilfen und die eitelkeit der ärzte. bisher konnte ich mich nicht dazu bringen, in eine notaufnahme zu fahren - und weswegen...? würde ich einen krankenwagen rufen, würde ich in ein falsches krankenhaus gebracht werden (nicht vollständig ausgestattet) - zu viel stress...falscher tagesablauf...
und wie erklärt man anderen personen, was genau mit einem los ist? würde man alles aufschreiben, würde man womöglich als simulant eingestuft, weil man so "durchdacht" daherkäme. bezüglich gesichtsfeldausfall war ein augenarzt der meinung, ich würde schwarz sehen. dabei ist es hell und kunterbunt. der arzt beharrte darauf, dass es schwarz wäre, weil er ist schließlich der arzt... und wenn man es nicht schafft zu sprechen, kann man gleich wieder nach hause gehen.
18.09.09, 23:22:39
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Hans
(Autistenbereich)

Wenn ich sehr müde bin und gleichmäßig in eine Richtung schaue,
kann es vorkommen, daß das rechte Auge nach rechts "wegläuft" und ich nach aussen schiele.
Da sehe ich dann zwei Bildschirme.
Das halte ich nicht für autismusspezifisch.
Da muß ich dann endlich ins Bett und gut ist es.
19.09.09, 02:59:29
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