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Autor Nachricht
Isabella
(Angehörigenbereich)

Die Beschreibung von drvaust halte ich auch für treffend. Irgendein Wissenschaftler (hab jetzt Name und Quelle nicht parat) beschreibt Autismus als "Handlungsstörung". Die Aussage eines Mannes, der bis zum 14. Lebensjahr nicht sprach: "Mein Kopf wollte immer, aber mein Mund konnte nicht." würde ggf. dazu passen.
Handlungsstörung. Was meint Ihr dazu?
07.06.10, 23:25:33
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Die Vermutung ist von Beobachtungen im Alltag her vielleicht naheliegend, jedoch falsch, daß dies auf Überlastung zurückgeht und unter geeigneten Lebensbedingungen nicht mehr so ist. Demnach kann es auch so absolut formuliert nicht kennzeichnend sein.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
08.06.10, 07:46:49
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haggard
(Autistenbereich)

wäre die weiterfolgende frage, "wie kommt es zu einer handlungsstörung?"
meines erachtens ist stress die grundlage. also wäre autismus so etwas wie hypersensibilität in ggf. sämtlichen bereichen plus stressintoleranz sowie dabei unter umständen nicht-entwicklung-von-automatismen.

die "normlösung" bei zu viel stress ist: stressreduktion und in schweren fällen (burn-out mit hauptsymptom des verlustes der fähigkeit sich zu erholen) sogar volle abstinenz. warum wird solches von NA nicht auf autisten übertragen? ist das so schwierig?

in bezug auf NA scheint autismus die freiwildgrundlage zu sein für sämtliche "therapieexperimente". und falls autisten doch mal mit ihnen kommunizieren, scheint das genauso wie bei tieren aufgefasst zu werden: das ist keine (sinnvolle) sprache, nichts wert, nicht von bedeutung, kann ignoriert werden.

für mich ist autismus normalität und alles andere eine normabweichung von meinem ausgangspunkt.
08.06.10, 08:01:31
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat von azrael:
meines erachtens ist stress die grundlage. also wäre autismus so etwas wie hypersensibilität in ggf. sämtlichen bereichen plus stressintoleranz sowie dabei unter umständen nicht-entwicklung-von-automatismen.

Das halte ich auch nicht für richtig, denn hier sind wieder die Umstände so, daß Autisten ganz besonders belastet werden. Es sind Umstände denkbar, in denen NA als Minderheit in einer vergleichbaren Situation wären. Daher ist die Annahme einer festen "Hypersensibilität" denke ich auch irreführend.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
08.06.10, 08:17:34
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haggard
(Autistenbereich)

man beachte das vorangestellte "so etwas wie".
08.06.10, 08:52:20
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Auch nach nochmaliger Beachtung bleibt es bei meiner Einschätzung. zwinkern

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
08.06.10, 09:05:16
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starke Dame
(Angehörigenbereich)

geändert von: starke Dame - 08.06.10, 11:19:08

Jetzt will ich mal antworten, als Nichtautist eines autistischen Kindes.

Was ist Autismus für mich?

Für meinen Sohn ist es normal, er lernt anders, empfindet anscheinend anders, setzt sich andere Ziele um Spaß zu haben und findet andere Möglichkeiten seinen Willen durch zu setzen.

In vielen Dingen fällt es positiv aus, da Autismus sich mir als ein sehr beharrlicher Charakter zeigt, das man alles aus eigener Kraft machen möchte. Man will Dinge nicht gereicht kriegen, man holt sie sich selber. Es steht auf den Schrank, egal, man stellt einen Stuhl auf den Spieltisch, darauf noch ein Spielzeug und so kann man als laufender Meter, spielend die 2 Meter-Marke überragen.

Wenn etwas nicht funktioniert, sind es nur kleine, Dinge, die doch das Gefühl der Sicherheit vermitteln und wenn andere es herausgefunden haben, gibt es kein Problem.

Wir Nichtautisten denken oft so, warum soll ich ihm das sagen, wenn er mich liebt findet er das alleine heraus. Mein autistisches Kind handelt so. Wenn Mama mich liebt findet sie es schon heraus.

Mein Sohn ist jetzt glücklich, ich hoffe das er lange glücklich sein wird und das er spät erst merkt, dass er zu einer Minderheit gehört und wenn er es dann merkt so selbstbewusst da steht und sagt, na und.

Was bedeutet es für mich, auf jeden Fall Anstrengung. Autismus ist anstrengend, nicht in Bezug auf meinen Sohn, sondern in Bezug auf die Menschen um meinen Sohn. Wären die anderen Menschen nicht da oder ich würde auf einer Insel mit gleichgesinnten Leben, wäre es nicht anstrengend.

Es ist anstrengend die Toleranz einzufordern, für sein Arbeiten. Wenn er Türen auf und zu macht, sich die Finger absichtlich etwas klemmt, oder unzählige Male an etwas hoch und wieder runterklettert, oder Lauter Legotürme mit einem Dach (wie ein falsch rum stehendes L) baut, und sie auf seinem Spieltisch stellt, dass es zwar nicht direkt eine Symetrie darstellt, sie aber doch irgendwie für mein Auge so wirken dass ich 5x hinschauen muss, weiß ich, er hat sich dabei was gedacht - also war es wieder Arbeit für ihn.

Im Prinzip stellt sich für mich das so dar, dass es anstrengender für ihn ist, er ist so emsig mit allen Dingen und ich bin so emsig damit beschäftigt, dass er es machen darf. Die anderen sind emsig damit beschäftigt es nicht zulassen zu wollen oder ignorant.

Im Prinzip ist kurzum, Nichtautismus, einfach, kurzer Weg ohne Ziel, man macht es sich leicht und Autismus, kompliziert, lange Wege, viel Anstrengung wird unternommen um das Ziel zu erreichen und selbst wenn eine Ablenkung vorhanden ist, wird das Ziel nicht vergessen und nachgeholt.

In diversen Büchern, die Autismus in Verbindung setzen mit einem unreifen Gehirn, die Defizite im Sozialverhalten verursachen und die Wahrnehmung beeinträchtigt sein soll. Mag in manchen Dingen eine Erklärung abgeben, nur hat man da auch berücksichtig, dass im Spiel, die Wahrnehmung doch vom Kind selber stimuliert wird? Dass auch Sozialverhalten vom Kind genau studiert wird und bei Bedarf sogar kopiert wird? Im Prinzip sehe ich da auch Widersprüche.

Mein Sohn spielt mit seiner kleinen Schwester, es gibt keinen Streit, sie spielen aktiv zusammen, er mit ihr und sie beobachtet ihn genau, mach viele Dinge mit agiert mit ihm und er lässt es zu. Natürlich lernt sie auch durch das Zuschauen und probiert ein paar seiner Aktionen selber aus.

Wenn das Sozialverhalten gestört ist, warum macht er das? Die Wahrnehmung hat er auf jeden Fall selber in irgend einer Art beeinflusst, lief er letzten Sommer noch durch Brennesseln und strich sich nur kurz über die Stelle und lief weiter, sagt er dieses Jahr deutlich Au und geht da weg und meidet die Pflanzen.

Ich denke, das Autismus sich garnicht als wirkliches Defizit darstellen lässt, da der Mensch in einem ständigen Lernprozess ist. Als Kind durch Ausprobiere und Spielen und auch später lernt man immer mehr dazu. Es ist einfach nur anstrengender. Weil alles genau ausprobiert werden muss, man es genau sehen oder hören möchte, darf nicht ein Nebengeräusch oder eine flackernde Neonröhre den im Moment auskostenden Reiz stören. Da es sowieso schon anstrengend ist, das ganze auf sich Wirken zu lassen und die anderen Dinge nur stören.


Im Ganzen finde ich Autismus normal, nur einfach anstrengender, es ist für beide Seite mit mehr Arbeit verbunden. Was einem aber auch mehr Qualität für das Empfinden von Details gibt und man im Prinzip mit einer Handlung viel mehr Informationen "abspeichert" als wenn man kein Autist ist, oder nicht mit Autisten zu tun hätte.

So empfinde ich einfach zur Zeit - im Moment ist dies mein Wissens- und Empfindungsstand.
08.06.10, 09:54:11
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat von starke Dame:
Jetzt will ich mal antworten, als Nichtautist eines autistischen Kindes.

Die Angabe eines Eigentumsverhältnisses? zwinkern
Zitat:
Im Prinzip ist kurzum, Nichtautismus, einfach, kurzer Weg ohne Ziel, man macht es sich leicht und Nichtautismus, kompliziert, lange Wege, viel Anstrengung wird unternommen um das Ziel zu erreichen und selbst wenn eine Ablenkung vorhanden ist, wird das Ziel nicht vergessen und nachgeholt.

Ist da wo ein "Nicht" zuviel?

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
08.06.10, 10:34:13
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starke Dame
(Angehörigenbereich)

geändert von: starke Dame - 08.06.10, 11:20:37

Simmt ein Nicht zuviel - naja, ups. Ich änder das jetzt einmal.

Das erste ist wieder schwieriger Humor, brauch ich in anderen Häppchen zum Verständnis. Denkt euch bitte, als Nichtautist und als Mutter eines autistischen Kindes.

Hab wohl zu schnell getippt, naja, jetzt hab ich den Wink doch verstanden, braucht nur länger.
08.06.10, 11:18:40
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akinoM
(Autist)

geändert von: akinoM - 11.06.10, 09:40:01

Zitat von BlauesBuch:
...doch was ist Autismus eigentlich für euch? Wie definiert ihr diesen Begriff für euch persönlich?


Eine andere Art zu sein ... und mir gefällt es auch so zu sein, wie ich bin.
11.06.10, 09:39:27
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an3010
(stillgelegt)

Autismus - war bisher ein Fremdwort für mich,so weit weg - dachte ich.
Alles unerklärliche um mich herum versuchte ich zu erklären - ohne es zuverstehen.
Autismus bedeutet für mich anders zu empfinden und wahrzunehmen als viele andere und dies ist für mich einfach so.

[In Ableitung der Sanktionen aus früheren Kniggeverfahren aufgrund Moderationsentscheides bis zum 25.10.2011 vollgesperrt (aktuelle verlängerte Frist siehe unten) wegen wiederholter Indiskretion. Gegen diese Entscheidung können andere Nutzer eine Revision anstreben.

Wegen wiederholter Sperrumgehung via Gastzugang selbst nach einem Hinweis auf die Anleitung mit dazu teils noch provokativen Inhalten, nach welcher im Ermessen des Administrators Sperrumgehungen mit unbegrenzter Sperrung geahndet werden können, wurde die Dauer der Vollsperrung bis zum 28.2.2012 verlängert.

Wegen unbelehrbarer weiterer Sperrumgehungen wurde die Sperrdauer auf ein Jahr bis zum 1.9.2012 verlängert.

Eine eventuelle Wiederfreischaltung erfolgt nach Ablauf der Frist auf Nachfrage, mfg [55555]]
11.06.10, 18:47:36
Link
sesostris
(Standard)

Für mich Bedeutet es AUT(OMAT)ISMUS!

automatisch geführte Handlungen.Ich habe mir einen Automatismus angeeignet, um mich besser strukturieren, orientieren zu können.Ich mache etwas,was mir mein Leben(für mich persönlich vereinfacht) und muß nicht darüber nachdenken,weil es eben mittlerweile automatisch passiert.
Aber das ist meine Definition.
11.06.10, 19:54:26
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