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Autor Nachricht
Tamara
(Standard)

geändert von: Tamara - 10.04.08, 22:14:35

@perry,
das was du da beschrieben hast, kann ich sogar gut nachvollziehen. Ich hasse auch einkaufen, bin immer froh wenn ich aus dem Supermarkt raus bin. Deshalb gehe ich auch lieber in so kleine Geschäfte wo nicht soviel los ist. Da ich ein HSP bin, ist das für mich auch nicht einfach normal zu leben. Ich nehme alles einfach intensiver wahr und es ist auch teilweise richtig anstrengend damit zu leben.

Ich halte auf jeden Fall zu ihm, ich liebe ihn ja auch. Und ich möchte ihm helfen. Aber ich weiß ja nicht, ob es sich wirklich um Autismus handelt. Nun muss ich ihn aber erstmal dazu bewegen, sich überhaupt damit zu beschäftigen. Denn wenn es weiterhin so bleibt, wird er immer Schwierigkeiten haben und Unklarheit.
10.04.08, 18:02:44
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mor
(Autistenbereich)

Zitat von Tamara:
Hallo...
vielleicht finde ich hier Antworten auf meine Fragen..
Es geht um meinen Freund. Damals habe ich ihn über das Internet kennengelernt. Nur über das schreiben kennen und lieben gelernt. Mittlerweile sind wir schon 2 Jahre zusammen und leben auch glücklich zusammen. Das Zusammenleben scheint aber nicht so einfach, weil sich doch oft viele Probleme aufweisen. Als Kind hatte er wohl schon seine Probleme gehabt, so das was er mir erzählt hat. War immer Aussenseiter und wurde in der Schule auch dauerhaft gemobbt, weil er absolut anders war als andere. Auch seine Mutter berichtete mir, dass er sich schon als Kind nie in den Arm nehmen lassen wollte. Auch die Nähe zu den Eltern war nie da, trotzdem liebt er seine Eltern.
Als er 12 Jahre alt war, hat er sich komplett von der Aussenwelt abgeschottet. Ging kaum noch raus, hatte keine Freunde und beschäftigte sich nur mit seinen Hobbys. Er hat schwierigkeiten mit fremden Menschen zu sprechen und Blickkontakt kann er überhaupt nicht halten, nur bei mir. Alles was fremd ist, ist für ihn immer ein Problem. Das fängt schon mit Kleidung an, neue Kleidung mag er nicht gern annehmen, lieber bleibt er bei seinen alten Sachen...das aber nur mal als Beispiel. Ans Telefon kann er überhaupt nicht gehen, das schafft er einfach nicht. Das telefonieren an sich, überfordert ihn. In der Gesellschaft verhält er sich zurückgezogen und still. Er spricht nur, wenn man ihn was fragt. Er spricht auch teilweise sehr leise, so das man ihn kaum versteht. Mit mir allerdings spricht er immer ganz deutlich.
Auch selbstständige Dinge erledigen wie einkaufen gehen oder sonst normale Dinge im Leben, fällt ihm sehr sehr schwer. Manchmal schafft er es alleine einkaufen zu gehen, aber das auch immer mit sehr viel Kraftaufwand. Wenn er aber dann mal was alleine machen soll (weil ich ja nicht immer alles für ihn machen kann), weigert er sich dermaßen, zieht sich dann meistens zurück, spricht nicht und buddelt sich unter eine Decke. Er brauch auch immer jemanden wo er sich "ranhängen" kann als Schutz, das bedeutet er weicht einem nie von der Seite, versteckt sich quasi hinter mich. Auch vertraut er nur mir, sonst niemanden. Er ist jetzt 19 Jahre alt, hat noch keine Ausbildung und die Schule hat er damals auch abgebrochen, so das er nur einen Hauptschulabschluß erreicht hat. Derzeit helfe ich ihm ein Ausbildungsplatz zu finden, doch das ist alles furchtbar schwer. Schon allein ein Vorstellungsgespräch, macht ihn schwer zu schaffen, weil er da reden muss. Und ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob er wirklich arbeiten kann, wenn er solche Probleme hat. Nun die Frage ist auch, ist er ein Autist oder hat er eine Soziale Phobie ? Zum Arzt will er nicht gehen und überhaupt Hilfe möchte er nicht annehmen, weil er sagt, ihm geht es gut, so wie er ist. Und das er das nicht als Problem ansieht. Er beschreibt sich auch selbst, als langweilig und sieht sich selbst auch "anders als andere" an. Ich würde sogar behaupten, dass er überdurchschnittlich Intelligent ist. Er hatte auch damals mal einen Psychologischen Test machen müssen, wo dies auch bestätigt wurde. Seine Hobbys sind Strategie Spiele/Fantasy, Musik, Weltgeschichte & Atlas, womit er sich tagtäglich intensiv mit beschäftigt. Vorallem beschäftigt er sich sehr viel mit der Welt und ihrer Geschichte und ist außergewöhnlich gut darin. Er ist fast wie ein Buch, was das angeht. Doch von der Außenwelt möchte er nicht viel wissen. Er beschreibt auch, dass er oft Panik, Angstzustände hat, wenn er mit Menschen reden muss. Dh. es ist immer mit sehr viel Kraft verbunden, wenn er mit fremden Menschen zu tun hat.

Es muss doch irgendeine Möglichkeit geben, ihm helfen zu können, normal Leben zu können. Aber erstmal muss man ja wissen...ist er ein Autist oder hat er eine soziale Phobie...

Ich hoffe, ich kann mich hier mit einigen austauschen. Wäre sehr dankbar dafür.

Liebe Grüße
Tamara


Hallo Tamara,

ich wurde früher in der Schule auch gehänselt oder wie du es sagst, gemoppt.
Ich ging dann auch in die Einzelgängerschaft. Obwohl ich mindestens eine oder zwei Freundinnen hatte, die mich so einigermaßen verstanden hatten.

Früher war das nicht soo schlimm, weil noch mein Bruder mit in der Schule war, jedenfalls in manchen Schulen.

ich hatte erst viel später erst mal gemerkt, dass ich anders bin oder das zumindestens spät wahrgenommen.

Ich denke mal, dass ich mich auch jetzt so langsam von der Außenwelt abschneide oder abschotte. Außer wenn ich ins Fitness-Center gehe oder in der Ausbildung bin. Wozu ich aber auch eigentlich kaum noch Lust habe, damit meine ich das Fitness-Center.

Was ich habe, sind Kumpels, jedenfalls bezeichne ich sie so.

Ich spreche manchmal oder öfters auch leise. Wahrscheinlich dann, wenn ich gerade keine Lust zum Reden habe oder wenn ich mir unsicher bin, ob das stimmt, was ich sage.

Ich denke mal, das sieht nach einem Autist oder Asperger aus, was du da von ihm schreibst.
Aber Sozialphobie, damit müsste ich mich noch intensiver beschäftigen.

Was ich über Sozialphobie weiß, dass die Angst vor Menschen haben und keine Menschenmassen mögen. Soviel wie ich jetzt weiß.

Aber hängt Sozialphobie nicht auch ein bisschen mit Asperger/Autismus zusammen?

Auch manche oder viele Autisten/Asperger haben sogenannte Angst oder Scheu oder wie man das nennt, was auch Menschen mit Sozialphobie haben.

Oder täusche ich mich da?

Aitschy

07.06.08, 11:57:46
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Tamara
(Standard)

geändert von: Tamara - 07.06.08, 13:38:05

Er wurde als Kind mal auf Autismus getestet und da kam raus, dass er kein Autist ist, aber Autistische Züge hat. Das habe ich aber auch erst vor kurzem erfahren.

@Aitschy
Ich weiß es nicht genau, aber ich glaube so wie ich das gelesen habe, hat ein Autist nicht unbedingt Angst vor dem Menschen sondern eher dass er nicht weiß wie er mit denen umgehen soll oder auch Probleme hat den Menschen zu verstehen (mimik etc.). Aber ich weiss es halt auch nicht so genau.
07.06.08, 13:36:29
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55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat von Tamara:
Er wurde als Kind mal auf Autismus getestet und da kam raus, dass er kein Autist ist, aber Autistische Züge hat. Das habe ich aber auch erst vor kurzem erfahren.

In welchem Jahrzehnt war das?

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
07.06.08, 14:14:37
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Tamara
(Standard)

geändert von: Tamara - 07.06.08, 14:19:45

Ist ca. 8 Jahre her. (Er ist 19 Jahre)
07.06.08, 14:17:36
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Rikki
(Autistenbereich)

Zitat von Tamara:
Er wurde als Kind mal auf Autismus getestet und da kam raus, dass er kein Autist ist, aber Autistische Züge hat. Das habe ich aber auch erst vor kurzem erfahren.


was bedeutet das eigentlich?
"nur" autistische Züge zu haben - aber kein autist zu sein?

help me, i'm underachieved!
Diagnose auf Asperger
07.06.08, 14:36:20
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mor
(Autistenbereich)

geändert von: mor - 07.06.08, 14:45:14

Zitat von Rikki:
Zitat von Tamara:
Er wurde als Kind mal auf Autismus getestet und da kam raus, dass er kein Autist ist, aber Autistische Züge hat. Das habe ich aber auch erst vor kurzem erfahren.


was bedeutet das eigentlich?
"nur" autistische Züge zu haben - aber kein autist zu sein?


Hallo Rikki,

so wie ich das erfahren habe, heißt das eher "autistische Verhaltensweisen".

Das sind Verhaltensweisen die jeder Mensch sich aneignen kann, auch wenn er nicht Autist ist.

Zum Beispiel:

ein Kind wird so oft seeelisch verletzt oder gemoppt, dass es sich zurückzieht oder besser gesagt sich abschottet. Einen Barriere um sich aufzieht.

oder anderes Beispiel:

wenn in einer Familie eine Trennung der Eltern vorliegt und das dann passiert. Auch da kann man sich autistische Verhaltensweisen aneignen. Wenn das ein Nichtautist macht, hat er dann autistische Verhaltensweisen sich angeeignet, ist aber dann nicht Autist.

Hoffe ich konnte es dir anhand von den Beispielen gut erklären. zwinkern

Aitschy
07.06.08, 14:44:13
Link
55555
(Fettnäpfchendetektor)

Zitat von Rikki:
was bedeutet das eigentlich?
"nur" autistische Züge zu haben - aber kein autist zu sein?

Man nimmt heute meistens einen fließenden Übergang von Nichtautismus zu Autismus an. Wenn man nun annimmt es wäre sinnvoll den Grad von Autismus einer Person mit einem Zahlenwert zu beschreiben hätte Person A vielleicht einen Wert von 3, Person B einen Wert von 13, Person C einen Wert von 16 und Person D einen Wert von 25.

Da man aber bei fließenden Übergängen schwarz/weiß-Grenzen nur mehr oder weniger willkürlich ziehen kann ist die Diagnose schon immer eine heikle Sache. Der eine Arzt diagnostiziert B vielleicht als Autisten, der andere nicht, sondern erst C, weil er meint das reicht noch nicht. Um aber festzuhalten, daß B schon ziemlich in die Richtung Autismus tendiert denkt der sich dann irgendwelche anderen Phantasielabels aus wie "autistische Züge" oder "Asperger-Persönlichkeit".

Wohlgemerkt: Das mit den Zahlenwerten ist nur zur Veranschaulichung gedacht und aus meiner Sicht nicht geeignet zur angemessenen Beschreibung.

Mancherorts steckt man Eltern ins Gefängnis, die ihre Kinder aus ideellen Gründen nicht zum Arzt bringen. Anderswo schützt man fremde Kulturen mittels Strafen vor Kontakt und Einmischung.
07.06.08, 15:37:47
Link
drvaust
(stillgelegt)

Zitat von Aitschy:
Zum Beispiel:
ein Kind wird so oft seeelisch verletzt oder gemoppt, dass es sich zurückzieht oder besser gesagt sich abschottet. Einen Barriere um sich aufzieht.
oder anderes Beispiel:
wenn in einer Familie eine Trennung der Eltern vorliegt und das dann passiert. Auch da kann man sich autistische Verhaltensweisen aneignen. Wenn das ein Nichtautist macht, hat er dann autistische Verhaltensweisen sich angeeignet, ist aber dann nicht Autist.
Das wäre kein Autismus, sondern eine Erkrankung. Siehe Schizoide Persönlichkeitsstörung.
Autismus ist eine neurologische Abweichung, angeboren, keine erworbene Krankheit. 55555 beschrieb oben das Autismus-Spektrum.
08.06.08, 02:18:48
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