Hallo Baum,
Zitat:
Warum war (oder ist) es ihnen nicht möglich, jemanden anders sein zu lassen, sich auf etwas einzulassen, dass ihnen fremd ist? Das war doch ursprünglich Sinn und Zweck des Referats, so habe ich es zumindest aufgefasst. (Warum sonst hält man ein solches?)
Im Sozial-therapeutisch-pädagogischen Bereich gibt es den Begriff des "Helfer-Syndroms".
Damit werden Leute beschrieben,die gern was Sinnvolles tun würden - wenn sie das Thema denn könnten.
Manchmal werden solche halb-zielgerichteten Handlungen auch als "Aktionismus" bezeichnet....also irgendwas, was mit viel Aufwand eventuell irgendwann zum Ziel führen würde. Aber einfachere, effektivere Methoden werden irgendwie ausgeblendet. Dafür gibt es auch Redewendungen: "Wie ein kopfloses Huhn umherrrennen", "mit der Kuh ums Dorf laufen", "um den heissen Brei reden"....
Kann es sein, dass er vortragende Referent sein Thema deswegen ausgestaltet, vorgetragen und zur Diskussion gestellt hat, weil er selbst sehr viele Fragen, Unsicherheiten, Ängste...und sonstige Elemente, die ins "Helfer-Syndrom" passen hat - und sein Referat ähnlich wie in einem Workshop zur Diskussion stellen wollte - um selbst eigene neue, nutzbringende Erkenntnisse zu erhalten?
Zitat:
Warum können sie die Tatsachen nicht bei Tatsachen belassen, müssen überall etwas hineininterpretieren, wo doch der reine Wortlaut das Gegenteil aussagt?!
So, wie ich aus der Teilnahme in verschiedenen Foren inzwischen als Feedback erhalten hab, scheint dieses "zwischen den Zeilen lesen" und Interpretieren ein Bedürfnis von NT´s zu sein.
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Wie kann man effektiv vermitteln, dass es Dinge gibt, die außerhalb des eigenen Vorstellungsvermögens liegen?
Ich beziehe diese Frage auf meine eigene Erfahrung: Wenn ich mir vorstellen will, dass es etwas geben könnte, was ausserhalb meines Wahrnehmungsbereiches bzw noch weiter weg "ausserhalb meines Vorstellungsvermögens" liegt, muss ich über einen weit gefassten intellektuellen Horizont verfügen.
Menschen, die mit Sinnesbehinderungen leben, sind damit aufgewachsen, sich wegen ihrer fehlenden Sinneseindrücke so etwas wie "Platzhalter im eigenen Denkvermögen" zu entwickeln, um aus späteren Informationen bestimmte Aspekte dieser Information noch nachträglich in vorherige Wahrnehmungslücken / durch Platzhalter aufgehalten einzufügen.
Ich kenne diese Abläufe durch meine Kontakte zur Gebärdensprachgemeinschaft, zu Blinden und zu Taubblinden. Ich selbst habe als Kind wegen meiner Reizverarbeitungsstörugen mit meiner für mich erdachten Idee der "Black Boxes" hantiert...hat mir sehr gut geholfen.
Um Fortbildungsveranstaltungen zu Themen anzubieten, die "jenseits des Vorstellungsvermögens liegen", müssten in die Konzeptgestaltung des anzudenkenden Seminars spezielle Methoden der Didaktik einfliessen, damit die Seminarteilnehmer sich einerseits respektiert und wahrgenommen fühlen (also nicht veralbert), andererseits aber diese besonderen Aspekte des Seminarthemas gut bearbeitet werden können.
Ich nenne ein Bespiel für "jenseits meines Vorstellungsvermögens": Ich hab zB kürzlich das Buch von Bill Bryson "Eine kurze Geschichte von fast Allem gelesen". Er beschreibt dort u.a. Aspekte der Quantenphysik. Quantenphysiker haben sich offenbar, um sich das Vorhandensein und die Effektivität ihrer winzigen Atombausteine besser berechnen zu können, das Modell einer Multidimensionalität erdacht....alles nur, damit die errechneten Minibausteine gewissen Regeln folgen. Diese Multidimensionalität (viel mehr als die die drei Raumdimensionen und die Zeit....36 Dimensionen oder so) mir vorzustellen - ist für mich ein hartes Stück Arbeit, ermüdet mich sehr schnell und lässt mein Interesse am Thema schnell verblassen. Entsprechend hab ich diese Seiten nur "quergelesen".
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Gespräche erscheinen mir da weitestgehend sinnlos, es scheint an der grundsätzlichen Fähigkeit, über den eigenen Horizont hinaus zu denken, zu scheitern.
Mit dem als Grundlage kann in deren späterer Arbeit nur eine Katastrophe das Ergebnis sein, wenn ich mir vorstelle, dass diese Menschen auf Autisten "losgelassen" werden und das mit so einer Einstellung. Dann wundert mich auch nicht, dass so vieles so verkehrt läuft.
Wünscht Du, dass entsprechende Aus-und Fortbildung zum Themen-Komplex "Autismus" von Menschen angeboten wird, die eigene Erfahrung mit dem Bereich Autismus haben?
Welche Art von Erfahrung darf das sein?
- Ist der Fortbildungsanbieter selbst autistisch?
- Ist der Fortbildungsanbieter erwachsenes Kind eines Autisten?
- Ist der Fortbildungsanbieter Elternteil ein autistisches Kind?
Solche jeweils unterschiedlichen Erfahrungsaspekte verlangen meines Erachtens ein hohes Mass an Eigenreflektiertheit, wenn man sie nutzen will, um sie in Fortbildungsangebote einfliessen zu lassen.
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Eigentlich dachte ich immer, die meisten könnten das deutlich besser als ich. Aber basiert diese sogenannte Empathie, das hineinversetzen in einen anderen und das nachfühlen seiner Emotionen tatsächlich nur dann, wenn ein direkter Bezug zu bzw. ein Vergleich mit der eigenen Person besteht oder möglich ist? Und wie kann man diese Diskrepanz dann überwinden, wenn die Bereitschaft, oder viel grundsätzlicher die Erkenntnis an sich, dazu fehlt?
Manchmal wird Leben mit Autismus wie Leben in einer eigenständigen Kultur beschrieben.
Menschen, die in ihrer eigenen Kultur (zB deutsche NT´s) aufgewachsen sind, verstehen vielleicht diese anderen deutschen NT´s. Aber das ist kein Grund, wieso sich deutsche NT´s gut in amerikanische oder israelische, spanische oder tibetische NT´s einfühlen können müssten - denn die dortige Kultur ist komplett anders.
Wenn Leben mit Autismus mit dem Leben in einer eigenständigen Kultur gleichgesetzt werden kann, wieso soll dann ein NT das Thema "Leben mit Autismus" automatisch verstehen können? Es müsste eine Bereitschaft vorhanden sein, sich diese andersartige Kultur zu erarbeiten. Dazu aber müsste erstmal erkannt werden, dass es sich überhaupt um ne andersgeartete zu respektierende Kultur handelt.
lg biene63