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Definition von Autismus?

original Thema anzeigen

 
12.03.13, 18:25:49

55555

geändert von: 55555 - 12.03.13, 18:26:12

Unter "chronischer Belastung" verstehe ich eine Belastungsdimension, die langfristig wirkt, also eher über Jahre. Diese Dimension ändert sich nur recht träge, wenn während einer chronischen Überlastung ein konkreter Overload stattfindet ändert das die chronische Dimension nicht sehr. Diese Dimension ist eine langfristige Anhäufung von Zumutungen, die noch nachwirken weil es keine angemessenen Ruhephasen gibt.
12.03.13, 18:35:03

eraser

geändert von: [55555] - 12.03.13, 18:57:52

[Komplettzitat Vorbeitrag gelöscht, mfg [55555]]

Ich denke, was Du meinst ist eher so was wie ein unbemerkter Burnout, der nie behandelt wird und der sich nicht erst mit 30 einstellt, denn schon ein normaler Schulausflug kann für einen Autisten anstrengender sein, als ein super anstrengender Arbeitstag für einen Topmanager.
12.03.13, 18:54:49

55555

Ja, eher soetwas. An dieser Stelle lag die Relevanz darin, daß die Multitaskingfrage nicht der Kern sein könnte, wenn sie an diesem chronischen Belastungsgrad hängt (der statistisch lediglich bei Autisten häufiger vorliegt) und nicht an autistischen Eigenschaften.
12.03.13, 19:02:04

[55555]

@eraser: Ein Hinweis: Hier im Forum gelten (analog zu anderen Internetforen) mittlerweile gewisse Formvorgaben, die gerade auch den Sinn haben eine gewisse Mindestberechenbarkeit der Form zu wahren. Dazu zählen nach etablierter Deutung auch Komplettzitate von Vorbeiträgen, die letztlich nur unnötige Zeichen (Reize) darstellen. In diesem Thread fand ich drei derartige Komplettzitate, die ich gerade gelöscht habe. Es wäre gut, wenn das künftig berücksichtigt würde, denn beim Absenden der Beiträge wird die Einhaltung der Formvorgaben jeweils bestätigt.
12.03.13, 19:05:44

eraser

Ich denke, dass sich alles, alle autistischen Eigenschaften, auf diesen Kern zurückführen lassen, auch der "Burnout".
Die Persönlichkeit konstruiert sich als Folge von Wahrnehmungen aufgrund bestimmter ererbter neurologischer Voraussetzungen. Die autistische Wahrnehmung erschafft also die autistische Persönlichkeit aufgrund ererbter neurologischer Voraussetzungen.
Und diese Wahrnehmung ist monotropistisch.
Kann sein, ich irre mich, aber mir erscheint es so logisch.
13.03.13, 12:25:36

[55555]

Eine Abschweifung zur Formfrage wurde hierhin ausgelagert.
13.03.13, 12:51:57

55555

Mir scheint das so nicht zu stimmen, denn es ist halt so, daß in einem geeigneten (auch in zwischenmenschlicher Hinsicht, etc.) wenig belastenden Lebensumfeld ein Autist weniger belastet ist und was die Multitaskingfrage angeht auch mehr Flexibilität aufweist. Da das vermutlich bei so gut wie allen Menschen so ist müßte der Kern woanders liegen.

Was deine Beispiele angeht könnte auch eine gewisse persönliche körperliche Ungeschicktheit eine Rolle spielen?
13.03.13, 14:09:51

eraser

Zitat von 55555:
Mir scheint das so nicht zu stimmen, denn es ist halt so, daß in einem geeigneten ... Lebensumfeld ein Autist weniger belastet ist und was die Multitaskingfrage angeht ...


Also gut, wenn ich einsam in der Wüste sitze und das schon seit Wochen und dadurch sehr erholt bin, dann kann ich vielleicht auch besser Multitasking simulieren, denn die dazu nötige Energie steht mir ja zur Verfügung, weil ich nicht dauernd von Kleinigkeiten abgelenkt werde.
Ich sehe da keinen Widerspruch zu meiner "Theorie".

Ich will jetzt aber auch nicht behaupten, dass das der Weisheit letzter Schluss ist, ich nehme es so wahr und mir erscheint es logisch, andere nehmen es vielleicht anders wahr und denen erscheint was anderes logisch. Ich sehe die besondere Wahrnehmung als Kern.

Die Ungeschicklichkeit bei mir ist irgendwie auch darauf zurückzuführen, dass meine Hand nicht nebenbei ein Glas greifen und zum Mund führen kann, wenn ich gerade mit jemandem über Lyrik im Spätmittelalter rede. Was genau ist "Ungeschicklichkeit"? Ich bin sehr geschickt, außer wenn ich gerade nicht hinsehe.
13.03.13, 14:35:32

55555

Zitat von eraser:
Also gut, wenn ich einsam in der Wüste sitze und das schon seit Wochen und dadurch sehr erholt bin, dann kann ich vielleicht auch besser Multitasking simulieren, denn die dazu nötige Energie steht mir ja zur Verfügung, weil ich nicht dauernd von Kleinigkeiten abgelenkt werde.
Ich sehe da keinen Widerspruch zu meiner "Theorie".

Wenn es so einen Zusammenhang gibt, denn stellt sich aber doch die Frage, ob der Kern woanders liegt? Ein Linkshänder wird ja nach einem ausgiebigen Urlaub auch nicht zum Rechtshänder.
Zitat:
Ich bin sehr geschickt, außer wenn ich gerade nicht hinsehe.

Aha, also geht es dabei ums Hinsehen? Das könnte man dann ja auch als anderen Faktor betrachten als "Multitasking" an sich, welches ja immer eine Simulation ist.
13.03.13, 16:51:30

eraser

Zitat von 55555:
Wenn es so einen Zusammenhang gibt, denn stellt sich aber doch die Frage, ob der Kern woanders liegt?


Ja, aber mir fällt nicht ein, wo genau er sonst liegen könnte.

Zitat von 55555:
Ein Linkshänder wird ja nach einem ausgiebigen Urlaub auch nicht zum Rechtshänder.


Ein Linkshänder, der dauernd gezwungen wird, mit rechts zu schreiben, kann diese Aufgabe nach einem Urlaub vielleicht besser meistern. Aber der Vergleich hinkt ohnehin, weil es beim Schreiben mit der falschen Hand auch um physikalisches Training geht.
Um das geht es übrigens auch bei der Ungeschicklichkeit.

Zitat:

Aha, also geht es dabei ums Hinsehen? Das könnte man dann ja auch als anderen Faktor betrachten als "Multitasking" an sich, welches ja immer eine Simulation ist.


Hinsehen als Konzentration/Fokussierung auf den Task "Glas nehmen". Natürlich kann ich das Glas auch mit geschlossenen Augen nehmen und trinken, ohne etwas zu verschütten, wenn das der (einzige) Task ist und ich mich darauf konzentriere.
Glas nebenbei nehmen ohne hinzusehen wäre Multitasking und ist darum nicht/nur schwer möglich.

Im Gegensatz zum Fahrrad fahren handelt es sich beim Glas nehmen und trinken nicht um eine gleichförmige monotone Bewegung, die vom Rückenmark gesteuert wird und die automatisiert werden kann. Das wäre eher der Fall beim Kaffee mit einer alten Kafeemühle mahlen oder bei Schwimmen oder an einem Fließband, wenn derselbe komplexe motorische Vorgang millionenfach wiederholt wird.
13.03.13, 17:24:14

55555

Zitat von eraser:
Ja, aber mir fällt nicht ein, wo genau er sonst liegen könnte.

Ich habe auch nur Vermutungen bisher. Das Verblüffende ist aber, daß intuitives Erkennen im Alltag möglich scheint.
Zitat:
Hinsehen als Konzentration/Fokussierung auf den Task "Glas nehmen".

Aha, die Augen sind dein Hauptsinn? Da gibt es ja Unterschiede.
Zitat:
Glas nebenbei nehmen ohne hinzusehen wäre Multitasking und ist darum nicht/nur schwer möglich.

Und wie ist es bei dir mit "Multitasking", wenn der Sehsinn bei allem keine Rolle spielt?
13.03.13, 17:47:44

eraser

geändert von: eraser - 13.03.13, 17:48:13

Was genau meinst du mit intuitivem Erkennen?
Menschen erkennen oder Sachverhalte erkennen?

Bei mir sind die Augen der Hauptsinn. Im Dunkeln orientiere ich mich natürlich auch nach dem Gehör und im Wald beim Pilze suchen auch nach dem Geruch. Eine tote Ratte im dunklen Keller findet man sicher nicht mit den Augen, sondern man geht da hin wo es am meisten stinkt und die Fliegen am lautesten summen. Und dann schaut man genau, mit einer Taschenlampe, und erblickt etwas, das schon wieder lebt. Machen wahrscheinlich die meisten Menschen so.

Multitasking wenn der Sehsinn keine Rolle spielt, geht auch nicht. Das einzige, was geht, ist eine vorher einstudierte automatisierte Bewegung ausführen und nebenher was anderes machen. Ich könnte zum Beispiel im Dunkeln Sahne schlagen und nebenbei singen.
 
 
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